Flaneur

7. April 2007

Soundslides: Audio-Galerie bitte hier starten.

Wien
© Fabian Mohr | Dieses Foto in der Großformat-Version ansehen

Wien
© Fabian Mohr | Dieses Foto in der Großformat-Version ansehen

Wien
© Fabian Mohr | Dieses Foto in der Großformat-Version ansehen

Wien
© Fabian Mohr | Dieses Foto in der Großformat-Version ansehen

17 Kommentare:



  1. horst sagt:
    8. April 2007 um 15:35

    hallo fabian,
    das was du hier zeigts gefällt mir sehr, dazu habe ich mal eine frage.
    ich arbeite selbst als pressefotograf und weiss wie problematisch das mit dem ” recht am eigenen bild ” ist, ich würde mich heute nicht mehr trauen menschen zu fotografieren ohne sie vorher zu fragen, die agenturen wollen eh nur noch fotos mit schriftlicher freigabe.
    wie handhabst du das bei deinen fotos….
    gruß horst



  2. Fabian Mohr sagt:
    8. April 2007 um 16:13

    Eine pauschale Antwort kann man darauf wohl nicht geben.

    Ein typisches Szenario sind Fotoreportagen, in denen ich bewusst eine Person oder eine Einrichtung auf längere Zeit begleite und dokumentiere. Etwa eine Krebs-Station oder ein Obdachlosen-Asyl. Da frage ich explizit bei jedem, der im Bild erscheint, nach, ob ihm/ihr das recht ist. Teilweise wird das auch schriftlich gemacht (Krankenhaus). Meist nutzt man das Gespräch dann gleich, um die Fotoreportage kurz zu erläutern.. die Menschen sind entspannter und “vergessen” mich schneller, während ich fotografiere.

    Aber für andere Formen von Doku- und Reportagefotografie geht das auf keinen Fall. Ich habe in Wien mehrere hundert Menschen auf offener Straße praktisch im Vorbeigehen fotografiert, davon ist ein sehr kleiner Teil dann in den publizierten Fotos aufgetaucht. Allerdings würde ich keine Fotos veröffentlichen, wenn sie die dargestellten Menschen unfair widergeben, diskreditieren oder bloßstellen. Ich verlasse mich da auf mein Bauchgefühl - und ich könnte jedem, der zB. in der Flaneur-Fotostrecke auftaucht, ins Gesicht sehen.

    Dazu kann ich ausschließen, dass diese Fotos in einem Kontext verwendet werden, der nichts mit der ursprünglichen Reportage zu tun hat. Ich verkaufe Fotos grundsätzlich nicht zur freien Weiterverwendung, sondern lizensiere nur für nichtexklusive oder zeitlich begrenzt exklusive Verwendung im Rahmen von Artikeln bzw. Fotostrecken u.ä., die mir vom Thema her passen - insofern ist für mich auch nicht so spannend, wie Agenturen darüber denken.

    Ein Beispiel aus jüngster Zeit waren Burning-Man-Bilder, die in einem Foto-Buch von Simon & Schuster erscheinen werden. Der Kontext ist für mich in Ordnung. Für Werbung würde ich die Fotos bspw. nicht freigeben. Denn das würde bedeuten, dass ich jede Kontrolle darüber verliere, wie Fotos von mir, auf denen andere Menschen zu sehen sind, verwendet werden. Dann riskiere ich in der Tat, dass sich Leute an den unmöglichsten Orten (zB. im Möbelhaus-Flyer oder in der Bild-Zeitung) wiederfinden und mit ihrem Bild unseriös gearbeitet wird.

    Langer Rede, kurzer Sinn: Ich denke, es kommt auf den Fall an. Jedes Mal Freigabe einholen ist unrealistisch, insbesondere für journalistisch motivierte Fotoreporter.



  3. horst sagt:
    8. April 2007 um 20:40

    ich danke dir für die ausführliche info. leider musste ich selbst schon erfahren was passiert wenn sich leute in einer zeitung wiederfinden in die sie nicht reinwollten.

    gottseidank stand damals eine riesige rechtsabteilung dahinter und es wurde locker eine mehrstellige summe bezahlt. hätte ich das aus eigener tasche zahlen müssen….gute nacht !

    viele grüße und ein schönes rest ostern



  4. Hartmut Ulrich sagt:
    8. April 2007 um 22:25

    Offenbar nimmt die Agressivität gegenüber auf Fremde gerichtete Linsen zu. Eine Fotografin aus Oslo, die ich gerade in Barcelona getroffen habe, erzählte mir von einigen sehr unangenehmen Begegnungen. Interessanterweise, erzählte sie, gäbe es erhebliche Unterschiede zwischen europäischen Ländern: Während die Deutschen mehr oder weniger gleichgültig reagierten, hätte sie in Paris bereits ernsthaft Prügel für ein Foto angedroht bekommen, bei dem sie durchaus hatte fragen wollen - nach dem Shot.

    Offenbar steigt bei den Leuten das Bewusstsein für den Wert eines persönslichen Bilds - man verweigert seine Erlaubnis zum Foto nicht etwa, weil man unerkannt bleiben möchte (die anhaltende Popularität von Casting-Shows beweist das exakte Gegenteil). Die Leute verweigen sich vielmehr, weil sie zunehmend erkennen, dass sie mit ihrem Gesicht Teil einer Wertschöpfungskette werden, an der sie aller Voraussicht nach nicht teilhaben werden: Sie bekommen nichts für ihr Bild, während “die Medien” Unsummen verdienen (dass das Honorar eines Fotografen daran mitunter sehr bescheiden bis enttäuschend ist, bleibt außen vor). Was den Fotografierten außerdem passieren kann, ist ein Negativ-Erlebnis: Wer möchte schon im Zusammenhang mit einem Skandal oder einem gesellschaftskritischen Bericht auf das eigene Gesicht in der Zeitung hingewiesen werden?

    In schwach entwickelten Ländern ändert sich der Ton gegenüber Fotografen ebenfalls, aus ähnlichen Gründen: Oft ist die Zustimmung zu einem Foto die einzige konkrete Einnahmequelle weit und breit. In einem Fischerdorf am Lake Victoria hatte ich mal ungefragt einen frischen Fang fotografiert - nur die Fische in einer Nahaufnahme - ohne die Menschen drumherum. Das folgende Gezeter und Handgemenge habe ich nur unbeschadet überstanden, weil ich mit einem Einheimischen unterwegs war, der den schreienden Anwesenden ebenso schreiend klar machen konnte, dass ich als Gast unter seinem persönlichen Schutz stand und durchaus etwas geben wollte - allerdings nicht direkt, sondern an den Dorfältesten…



  5. Hartmut Ulrich sagt:
    8. April 2007 um 22:29

    öh. hab versucht, die Audio-Galerie zu starten. geht nicht (???). Mach ich was verkehrt?



  6. Fabian Mohr sagt:
    8. April 2007 um 22:43

    Kannst Du das Problem etwas genauer einkreisen? Siehst Du noch das Popup, wenn du auf den Link klickst? Tut sich dann nichts, wenn Du auf den Play-Button klickst?

    [Edit] Ich hab die Galerie auch mal auf Auto-Play gestellt, versuchst Du es nochmal, ggf. mit Cache löschen vorher? [/Edit]



  7. Tim L*illing sagt:
    8. April 2007 um 23:13

    1.) Ich habe kein Prob bei Soundslides. Ich erinnere mich aber dunkel daran, dass es in der letzten Version ein Prob mit bestimmten Flash-Versionen gab. Ah ja, hier

    http://soundslides.com/forum/viewtopic.php?id=697

    Hast du upgedatet? Vielleicht liegt es ja daran?

    2.) Ich persönlich finde die Fotos einen Tick zu Dunkel, aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.

    3.) o.T. : S/W? Dabei hattest Du doch so schön Deinen Sehnerv kalibriert ;-)



  8. Fabian Mohr sagt:
    8. April 2007 um 23:28

    Tim, da geht es glaub ich um ein anderes Problem (Intel Macs, und es betrifft nur den, der produziert, nicht den Output).

    Wg dunklen Bildern: Ja, das ist Absicht. Ich krieg immer Migräne, wenn ich auf Fotocommunity.de und ähnlichen Sites mitlesen muss, wie Leute wg. angeblich mangelhafter Zeichnung missioniert werden. Das sind i.d.R. genau die Bilder, die mich am meisten beeindrucken. Umgekehrt langweilen mich HDR-Bilder auch so extrem - weil sie perfekt ausgeleuchtet sind. Aber sicher, jeder sieht das durch sein Auge. Wär auch langweilig, würde man alle Augäpfel identisch kalibrieren..

    [Edit] Nachtrag: Wie Paolo Pellegrin mit Licht arbeitet, ist grandios. Nein - wie er mit Dunkelheit arbeitet. [/Edit]



  9. Hartmut Ulrich sagt:
    9. April 2007 um 01:04

    Das Popup geht auf, das Fenster dazu bleibt komplett grau. Nichts, kein Play-Button, einfach grau. Windows XP. Firefox-Browser, latest. Windows IExplorer 6: same…



  10. Fabian Mohr sagt:
    9. April 2007 um 01:18

    Flash hast Du ja, in einer neueren Version - 8 oder 9 am besten? Kannst Du mal eine von den anderen Soundslides starten, ob die bei dir gehen? Hier z.B.:

    http://www.fabianmohr.de/iso80.....6/airport/



  11. Andreas Gehret sagt:
    9. April 2007 um 06:04

    Von der Technik (bei mir, Intel Mac, geht’s) wieder zum Thema Menschen fotografieren:
    Eine gewisse Zurückhaltung der Leute kann ich gut nachvollziehen: Fremde zu fotografieren ist in dem Maß schwieriger geworden wie es leichter wurde die Fotos einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Früher war man halt auf einem Foto mit drauf und das Foto wurde dann nur einem recht beschränkten Kreis zugänglich gemacht. Heute muss ich damit rechnen, dass das Foto in Flickr auftaucht, über http://www.polarrose.com meinen Daten zugeordnet wird oder ich im Sinne des mittlerweile salonfähigen Stefan-Raab-Schadenfreude-Humors irgendwo lächerlich gemacht werde.
    Ganz zu Schweigen davon was passiert wenn man aus irgendeinem Grund in das mehr oder wenige öffentliche Interesse rückt und dann recht schnell alte Fotos auftauchen (z.B. Tom’s Blogpost: http://www.dokufoto.de/nachric.....pusch-353/).
    Wenn man das Bild eines Fremden aufgenommen hat und dann z.B. im eigenen Photoblog publiziert kommt auch schnell die Frage „Ja derf der denn des?“ auf und na ja: Man darf nicht, zumindest nicht ohne Zustimmung des/der abgebildeten Personen. Mit ein wenig Pech hat dann jemand das Gefühl etwas für sich herauszuschlagen zu können und dann wird ja gerne die juristische Keule herausgeholt bevor man dem Fotografen eine freundliche Mail mit der Bitte um Entfernung des Bildes schreibt.
    Aus diesen Gründen halte ich mich mit der Veröffentlichung von Bildern fremder Menschen sehr zurück – und ärgere mich gleichzeitig darüber, weil die schöneren Bilder normalerweise Menschen zeigen…



  12. Martin Storz sagt:
    9. April 2007 um 10:55

    “Straßenfotografie” ist ein spannendes Thema, das gerade jetzt in unterschiedlichen Blogs thematisiert wird.
    Es gibt einen kleinen Beitrag von mir unter:
    http://thepubliceyeblog.blogsp.....-tabu.html
    mit Links zu Diskussionsforen mit dem selben Thema.
    Und - wie man sieht - das ist für viele Leute ein akutes Problem.



  13. Fabian Mohr sagt:
    9. April 2007 um 15:29

    Wenn man sich die Geschichte der Fotografie ansieht und sich dabei vorstellt, es hätten Juristen mitgeredet - wir würden nichts anders als Blumen-Makros, verrostete Altbau-Türen und Bergpanoramen sehen.

    Ich verstehe, wenn Einzelpersonen auf die Barrikaden gehen, weil ihr Bild missbraucht und/oder an ihnen vorbei monetarisiert wird. Von solchen eher seltenen Extremfällen sollte man aber doch nicht ins andere Extrem abgleiten: Dass Fotografen de facto aufhören, Menschen (=Leben) zu fotografieren.

    Noch mal, wichtiger Punkt: Der Fotograf ist m.E. in der Verantwortung, die Leute nicht bloßzustellen, nicht in falschen Kontext zu packen, fair widerzugeben. Und wenn jemand signalisiert, dass er nicht fotografiert werden wollte - selbstverständlich ist das bindend.

    Aber Reportage- und Dokufotografie können unmöglich so funktionieren, dass jedes Bild vorher autorisiert wird. Das wäre, um es mit Journalismus zu vergleichen, wie wenn eine Person vorher dem Reporter sagen kann, ob er über ihn schreiben darf oder nicht. Die Person darf den Reporter zur Rechenschaft ziehen, wenn er unredlich arbeitet - aber er kann ihm - Gott sei dank - nicht vorschreiben, was er thematisiert. Mit den oben beschriebenen Einschränkungen.

    Zu Polar Rose: Wenn Gesichtserkennung funktioniert und Mainstream wird - und es wird wohl nicht mehr lange dauern - haben wir eine ganz andere Situation. Ich bin gerade dabei, meine Bilder aus der Google Image-Suche rauszunehmen (etwas tricky, irgendwie sind sie da zumindest teilweise noch drin) und werde, wenn es denn geht, auch alles Material von mir für Sites wie Polar Rose oder Riya blocken. Ich bin kein Privacy-Extremist, aber Gesichtserkennung gekoppelt mit Bildersuche halte ich als Technologie für einen Alptraum. Das wird uns noch große Kopfschmerzen machen.



  14. Fabian Mohr sagt:
    9. April 2007 um 15:41

    Martin: Danke für den Link, bei der Gelegenheit gleich mal deinen Feed abonniert :-)



  15. Hartmut Ulrich sagt:
    9. April 2007 um 22:07

    Auf photocritic wird ebenfalls diese Diskussion geführt.



  16. Hartmut Ulrich sagt:
    9. April 2007 um 22:26

    Das Abspielproblem scheint ein übrigens ein spezifisches Problem meines PC zu sein: Die Adobe/Macromedia-Tesite produziert ebenfalls einen Fehler obwohl Flash Player 9 und Shockwave Player installiert sind…



  17. Peter Feldhaus sagt:
    12. April 2007 um 14:06

    Den journalistisch (selbst)verantwortlichen Umgang mit Bildmaterial, wie von Fabian beschrieben, finde ich in Ordnung. Die Rechtslage selbst ist zwar relativ klar, lässt aber dennoch eine Grauzone übrig. Das gleiche gilt im Grunde für die Straßenfotografie im künstlerischen Sinne.

    Bedenklich ist, dass sich das Klima für Straßenfotografie immer mehr zum schlechteren wendet. Eine der Hauptursachen für diesen Wandel ist sicherlich das von Hartmut beschriebene veränderte Bewusstsein der Menschen für das eigene Abbild in der modernen Medienlandschaft.
    In meinem Blog über künstlerische Fotografie habe ich vor einiger Zeit Ressourcen zum Thema Recht und Straßenfotografie zusammengefasst.

Einen Kommentar schreiben

Bitte lesen Sie die Regeln für Kommentare.

(obligatorisch - gegen Spam)