G8-Proteste: Fotostrecken im Quervergleich

3. Juni 2007

Die Ausschreitungen am Rande einer Kundgebung in Rostock gegen den G8-Gipfel sind eine gute Gelegenheit, die “Fotoarbeit” der großen Newsportale zu vergleichen. Zum Teil schwankt die Qualität der Bilder deutlich - man merkt genau, welche Reporter und Agenturen wirklich nahe dran waren, als die Lage außer Kontrolle geriet.

Eine Unsitte: Die Story in kleinen nachrichtlichen Fragmenten in den Bildunterschriften nachzuerzählen, statt sich auf die Beschreibung des Bildes zu beschränken. Dieses nicht bildgebundene Gelaber wird zum Bumerang, wenn sich Nachrichten weiterdrehen oder sogar Fehler auftauchen, die dann korrigiert werden müssen - nachgebessert wird im hektischen Tagesgeschäft bestenfalls im Artikel, aber so gut wie nie in den Fotostrecken.

Noch eine Beobachtung: Die Fotogalerien fühlen sich von der Präsentation her wie 1999 an. Niemand (außer heute.de, die aber mit ihren “friedlichen Protesten” inhaltlich hinterherhinken) verwendet Sound. Wenn man sich vorstellt, es wäre ein Team der New York Times, von MSNBC.com, von der Roanoke Times oder den Mercury News in Rostock gewesen - kaum anzunehmen, dass sie solche Konfektionsware abgeliefert hätten.

Spiegel Online

sueddeutsche.de

FTD

Focus Online

Stern.de

Faz.Net

Frankfurter Rundschau

n-tv.de

Ostsee-Zeitung

Welt.de

Tagesspiegel

NDR

heute.de

BBC News

oe24.at

Habe ich eine nennenswerte Fotostrecke vergessen? Bitte Link in die Kommentare, Danke.

Nachtrag: Es dauert (inkl. Recherche und Produktion) etwa 10 Minuten, eine kleine Infografik in Google Earth (Hilfe | Download) zu bauen, die erklärt, wo Heiligendamm liegt und wo in groben Zügen der Zaun um den G8-Gipfel verläuft. Zehn. Minuten. Kosten: Null Cent.

10 Kommentare:



  1. rajue sagt:
    3. Juni 2007 um 20:05

    Tolle Sammlung, vielen Dank!



  2. Oliver sagt:
    4. Juni 2007 um 12:27

    Hallo,

    es fehlt die der Frankfurter Rundschau - meines Arbeitgebers ;-) … und ich habe sie gestern Nacht erstellt. Und auf sie trifft deine Kritik natürlich zu. Aber was soll ich dir zu den Arbeitsbedingungen vor Ort erzählen, was du nicht schon wüßtest oder was nicht eine der üblichen Jammergeschichten über vollmundige Reden von Verlags- und Redaktionsleitungen einerseits und tatsächlicher Ausstattung und Ausrichtung andererseits werden würde? Bzw. nicht vorhandener Nutzung der Kompetenz der Mitarbeiter (bei uns an Bord z.B. die Grimme Online-Award-nominierte Monika Porrmann - aber das ist die selbstverständlich mit einem Privat-Projekt…)

    Ein Foto-Sound-Projekt ist bei uns kaum denkbar, weil wir - entlang von Arbeitszeiten und -regelungen sowie von Ausstattung und gesetzten Prioritäten seitens der Chefetage - kaum eine reguläre, platte, einfache 1990er Bilderstrecke hinkriegen. Zumindest dann, wenn wir nicht erheblich unsere Privatzeit und -energien und unsere mehr oder weniger privat angeeigneten Kenntnisse in Know-How und Software darein stecken würden.

    Nun mag die FR nicht das geeignete Objekt sein - andere Verlage habe mehr Geld, um ihr “Online First” umzusetzen…



  3. Fabian Mohr sagt:
    4. Juni 2007 um 12:41

    Oliver: Danke, Link ist eingebaut. Was ich nicht verstehe (jetzt völlig unabhängig von der FR): Es ist so extrem einfach, Sound aufzunehmen und damit eine Audio-Slideshow zu produzieren. Es kostet einmalig alles in allem, wenn man zB. die Anschaffung eines 0815-Digitalrecorders, eines Mikros und einer Soundslides-Lizenz ansetzt und Audio-Schnitt mit Audacity für umsonst macht, etwa 300 Euro. Dazu die überschaubare Zeit, um es zu produzieren. Und der Spaß an der Arbeit verzehnfacht sich.



  4. Philipp Hesse sagt:
    5. Juni 2007 um 00:21

    Deine Kritik an den Fotostrecken, finde ich gut und nachvollziehbar, aber mit der Google Earth Karte machst Du es Dir zu leicht.
    Übertrag das mal in Google Maps, so dass man es auch in eine Website integrieren kann. Alles, was man heute icht in die eigene Website integrieren kann (Googel Earth kmz Dateien), bringt doch eh nichts. Spiegel Online hat ja eine nette Animation zu dem Zaun, etc.. Aber die Erstellung hat bestimmt mehr als 10min. gedauert.
    Dieser zweite Vorwurf ist meiner Meinung nach, daher zu kurzsichtig und flach.



  5. Fabian Mohr sagt:
    5. Juni 2007 um 01:05

    Philipp, ich verstehe nicht ganz, warum es “nichts bringt”, wenn Karten nicht auf der eigenen Site eingebaut sind. Google Earth ist ja eine eigene Applikation jenseits des Browsers, in die man problemlos Links zurück auf eine Website einbauen kann (die Popups verstehen HTML.. z.B.: http://www.focus.de/fol/multim.....af1977.kmz ). Falls Klicks dein Thema sind - mit Google Earth kann man sie generieren und nicht zu knapp.

    Aber selbst wenn man statt Google Earth lieber nur die eigene Site ins Spiel bringt - dann geht das problemlos, auch ohne mit Hilfe der Google Maps API eigene Karten zu implementieren. Bei Anbietern wie http://www.wayfaring.com kann man in Google Maps etwas eigenes bauen und anschließend auf die Site einbinden. Dazu erhält man ein Code-Snippet, das man nur noch kopieren muss. Simpler geht’s nicht. Ich würde sogar sagen, es ist schneller als mit Google Earth, da man sich bei den einzelnen Markern nicht noch um Höhe und Ansichtswinkel kümmern muss.

    Zur Spiegel-Infografik: Dass sie zT. Google Earth als Bildquelle nutzen ist nicht ganz frei von Ironie. Alles in allem prickelt die aber nicht so richtig.. http://www.spiegel.de/flash/0,5532,14874,00.html



  6. Oliver sagt:
    5. Juni 2007 um 08:23

    Ich selbst experimentiere - als Mac-User - mit der Onboard-Software iMovie +Quicktime. Man kann sogar mit einem Mikro-Aufsatz für den iPod ganz brauchbares O-Ton-Material bekommen. Und ich verfolge mit großem Interesse etwa http://www.mediastorm.de … also die Ebene “Einzelbild + Ton” fasziniert mich schon - mehr als jedes richtige Video allemal.

    Was du bestimmt genauso weißt, ist aber: Das Problem, während eines Wochenend-Newsdienstes sich die Muße zu nehmen, eine gute Bildershow inkl Ton zusammen zu stellen. Das haut, selbst wenn man im technischen Handling versiert ist, nicht hin. Ich gehe mal davon aus, dass die von dir genannten amerikanischen Vorbilder mit einem anderen personellen Input arbeiten. Und die deutschen großen Auftritte auch (SpON = 60 Redakteure/Produktionstechniker, FR = 6). Von daher hast du recht, wenn du sagts: Warum machen die das eigentlich Nichtachtung

    Muße ist das Stichwort: Lieblos und hektisch zusammengeklatsche Bilderserien, die nur unter der Vorgabe “Clicks erzielen” gedacht und erstellt werden, sind die Folge, wenn man nicht wirklich eine Bild-Geschichte erzählen und die verwendeten Fotos samt Bildtexten unter journalistischen Kriterien bearbeiten kann und will.

    In diesem Zusammenhang - entgegen deiner Ansicht - ein Plädoyer für Bildtexte, die mehr als nur das auf dem Bild zu sehende umfassen: Ich hab mal die Landung eines historischen Flugboots auf dem Main fotografiert und in der Fotostrecke dann Zahlen und Daten zum dem Flugboot etc. untergebracht (einen “Träger-Artikel” dafür gab es nicht). Das Feedback war, dass die Leute meinten, nicht nur Bilder des Flugzeugs und des Events gesehen zu haben, sondern auch sehr gut informiert worden zu sein.



  7. Fabian Mohr sagt:
    5. Juni 2007 um 10:32

    Oliver, neben einer normalen Newsschicht geht das schwer, das weiß ich auch aus eigener Erfahrung sehr gut. Gilt besonders für sehr kleine Redaktionen. Aber viele Online-Angebote, die oben in der Liste auftauchen, haben inzwischen ja längst die personelle Power, um auch mal etwas mehr auf die Beine zu stellen als Text und Foto.

    Zu deiner Slideshow: Die ist ja auch inhaltlich sattelfest - Du hast da von 1-37 nichts reingeschrieben, was Ihr nicht mit eigenen Augen gesehen habt oder was nicht lexikalischen Charakter hätte. Kann man praktisch ein Häkchen dahinter machen, wenn es live gegangen ist.

    http://www.fr-online.de/_inc/_.....m_loc=1984

    Nimm mal n-tv als Vergleich. Da ist auch nach Tagen noch die - durch einen Übersetzungsfehler Agenturfehler entstandene - Falschinformation drin, es habe durch einen Demo-Redner einen Aufruf zum “Krieg” gegeben. Keine Petitesse, würde ich sagen. Von den falschen oder überholten Zahlen bzgl. Verletzte reden wir jetzt mal nicht.

    http://n-tv.de/809916.html?tpl=zwei&counter=42 [edit] n-tv.de hat diesen Slide inzwischen entfernt bzw. umgetextet [/edit]
    http://n-tv.de/809916.html

    In so einem Kontext - nachrichtliches Thema, das sich rasant weiterdreht - würde ich nicht dazu raten, die Geschichte parallel zu einem oder gar mehreren Artikeln auch noch in Bildunterschriften en detail weiterzudrehen. Das geht ziemlich sicher schief.



  8. Oliver sagt:
    5. Juni 2007 um 20:35

    Ah, ok - da sind wir uns einig. Zumal wir in der FR online-Redaktion durchaus leidgeprüft in diesem Zusammenhang sind: Da schmoren einige Teaser, Vorspänne, Dossier-Vorspänne in den Untiefen des Auftritts, die jemand mal - ob Redakteur, Volontär oder Praktikant - eilig zusammengekloppt hat… und die dann irgendwann mal wie eine Wasserleiche schaurig-schrumpelig nach oben poppen ;-)

    Nicht dass uns Festangestellten dieser Fehler nicht auch mal passieren würde, aber: Neuen Redaktionsmitglieder, Volontären, Praktikanten und Hospitanten muss tatsächlich häufig auf das von dir bei n-tv beobachtete und beschriebene Phänomen hingewiesen werden. Die texten munter begeistert drauflos und ein paar Stunden, Tage, Wochen oder Monate später fällt das einem auf die Füße. Das ist einer der Flüche der in meinen Augen sonst so segensreichen Onlinerei.

    Von daher ergeht häufig der Appell, derartige BU’s oder Teaser o.ä. trotz allem Zwang zum Leseanreiz “zeitlos” zu schreiben… Vor allem bei einem Thema, dass sich - wie du schreibst - sich rasant weiterentwickelt und man schon bei der normalen Berichterstattung kaum den sich überschlagenden Eilmeldungen hinterher kommt.

    Was bei n-tv zu sehen ist, ist natürlich für diese News-Site nicht untypisch. Da wird offensichtlich viel nach dem “fire-and-forget-”Prinzip gearbeitet. Und ich denke, eine Fotostrecke mit derartig platten BU’s wie die zum Küssen würde bei allem Druck zur Clickträchtigkeit in dieser Form bei uns nicht erscheinen. Da würde schon der Teil der Online-Redaktion aufschreien, die nach wie vor einen Anspruch beim Thema “Online-/Multimedia-Journalismus einer seriösen Qualitätszeitung” hat.



  9. Mark Mühlhaus sagt:
    1. Juli 2007 um 18:34

    wie findet ihr unsere Fotostrecke?

    Grüße
    Mark

    http://www.avanti-projekt.de/i.....index.html



  10. Fabian Mohr sagt:
    1. Juli 2007 um 19:43

    Ich find die sehr gut… viele richtig gute Fotos, in denen mehr Seele steckt als in den meisten Agenturbildern, die ich gesehen habe.. Die Musik ist mir nach ca 1 Minute sehr auf den Sack gegangen… Hannes Wader trifft Tote Hosen. Atmo wäre m.E. besser gewesen, nicht nur Konzert, sondern auch Demos, Debatten zwischen Polizei und Demonstranten.. aber das ist nur meine völlig subjektive Meinung. Die darf man getrost ignorieren :-)

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