Führer befiehl, wir fotografieren

18. August 2007

Fascism, Multimedia Unit
Dieses Foto in der Großformat-Version ansehen | © Fabian Mohr

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Am Rande der Neonazi-Kundgebung heute Abend in München hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer jungen Frau aus einer der Antifa-Gruppen. Wer ich bin, “für wen” ich fotografiere, ob ich einen Presseausweis habe. (Das war übrigens eine lustige Frage - wenn man bedenkt, warum 99,5 Prozent aller Presseausweise wirklich angeschafft werden, hätte sie auch nach der Metro-Karte fragen können. So oder so, ich muss passen.)

Als das alles geklärt war, kamen wir auf Privacy - genauer gesagt zur Frage, was passieren kann, wenn Gegendemonstranten auf publizierten Fotos zu erkennen sind. Schwierig. Fotoreportage ohne Gängelungen ist ein hohes Gut. Wenn diejenigen, über die berichtet wird, bestimmen, was berichtet wird, haben wir alle ein großes Problem. Andererseits gibt es Grenzen - Persönlichkeitsrecht, Fairness. Nicht leicht, die richtige Mitte zu finden.

Als ich später nach Hause ging, konnte ich ihre Skepsis sehr viel besser verstehen. Aus den Reihen der Neonazis wurden die Gegendemonstranten stundenlang fotografiert und gefilmt (Polar Rose muss ihnen wie die neue Wunderwaffe vorkommen). An sich nichts neues - mich hat aber offen gesagt etwas überrascht, wie planmäßig diese Observation inzwischen geschieht.

Wo hosten diese Reichsbildwarte eigentlich ihre Fotos? Siebenlad? Flöckrrr??

6 Kommentare:



  1. Ausgefallene Geschenke sagt:
    19. August 2007 um 06:58

    Hier in Berlin wird auch jeder abgefilmt und fotografiert, der am Rand einer Kundgebung steht. Ich bin mir aber nicht sicher, ob diese Fotos wirklich zentral oder dezentral zusammengeführt werden. Vielleicht wollen die nur einen Dicken machen, um die Menschen einzuschüchtern. Aber manchmal bin ich mir da auch nicht sicher…



  2. Philipp Hesse sagt:
    20. August 2007 um 11:27

    Ich bin weder rechts noch links ;-) Das mal vorweg…

    Du kannst davon ausgehen, dass die Linken genauso organisiert sind wie die Rechten. Beide wissen um ihre Rechte und keiner hält sich an seine Pflichten! Täter und Opfer können jeden Augenblick ihre Rolle wechseln. Ich habe daher für jegliche Extremisten, die das Gesetz brechen und Menschen angreifen, nichts übrig.
    Wenn sich die Antifa bei Dir in eine Opferrolle einschmeichelt, dann hast Du Deine Objektivität verloren.

    Aber der eigentlich Schock für mich war “Polar Rose”. Ich hab den Link mal geklickt, weil ich ein interessantes Blog hinter der Sache vermutete. Leider scheint es sich ja eher um ein Spionagetool zu handeln. Wird nicht zufällig vom CIA finanziert? Ich hoffe, dass die Software ein Flop wird.



  3. Fabian Mohr sagt:
    20. August 2007 um 22:03

    Philipp, das ist ein bisschen viel Unsinn auf einmal. “Die Antifa” hat sich bei mir nicht “in eine Opferrolle eingeschmeichelt”. Niemand hat das getan. Du suggerierst das aber - und redest im gleichen Satz über verloren gegangene “Objektivität”. Vertrau mir einfach mal, dass ich mir ein eigenes Bild machen kann.

    Was mich nervös macht, sind Leute, die so aus dem Handgelenk heraus mit Verallgemeinerungen (”keiner hält sich an seine Pflichten”) arbeiten.

    Man kann über die Rituale der Antifa und ihr dogmatisches Weltbild, ihre etwas skurrilen Ansichten z.B. zur Wirtschaftspolitik denken, was man will. Dass sich auch einige Leute zur Antifa rechnen, die Gewalt in Ordnung finden - finde ich nicht in Ordnung.

    Aber sie sind die einzigen, die *immer* auf der Straße stehen, wenn Neonazis ihre Kundgebungen durchziehen. Sie halten halt die Rübe hin. Dafür bin ich ihnen dankbar und dafür verdienen sie Respekt.

    Wenn das bedeutet, dass ich meine Objektivität verloren habe - ja dann kann ich auf Objektivität auch gern mal verzichten (= scheißt der Hund drauf).



  4. Jan-Philip K. sagt:
    21. August 2007 um 00:03

    Auch wenn autonome Linke mal ab und zu Steine auf Polizisten werfen, ist der überwiegende Großteil der Antifaschisten definitiv friedlich. Ganz im Gegensatz zu den Neonazis, die gegen die Grundfesten friedlichen Miteinanders in einer multikulturellen Gesellschaft wettern.
    Philipps Meinung zum Polar rose kann ich allerdings nur teilen. Dieses Tool ist mehr als bedenklich, wenn ich überlege, dass durchaus die Möglichkeit besteht, dass auch ich schon ungewollt als Bild im Internet gelandet bin und ich bin sicher nicht scharf darauf, dass mich dann gleich jeder identifizieren kann. Nicht, weil ich einer der oben genannten Steinewerfer sein könnte, sondern einfach des Datenschutzes wegen.
    Achja, ich wollte ja auch noch was zu den Bildern sagen: Man kann schön sehen, welche seltsamen Krampfhaltungen die Leute teilweise beim Fotografieren einnehmen. Schön ist es auch immer wieder, wenn man mit einer SLR unterwegs ist, zu hören: “Das ist ja ne blöde Kamera, man kann ja noch nichtmals durchs Display fotografieren”…



  5. Philipp Hesse sagt:
    21. August 2007 um 14:46

    Lieber Fabian, ich gebe zu, mich Verallgemeinerungen schuldig gemacht zu haben. In dem Moment war ich wohl etwas impulsiv.
    Es gibt viele Leute in der Antifa, die sich zu Recht und sinnvoll engagieren. Die gibt es bei den Rechten nicht!
    Mir ist nur wichtig, dass man daraus nicht folgert, dass die Linksautonomen wie z.B. der vermummte “schwarze Block” um ein Stück besser sind als die Verursacher rechter Gewalt.
    “Auch wenn autonome Linke mal ab und zu Steine auf Polizisten werfen…” Die Einleitung von Jan-Philip deutet ja genau das an.
    Für mich ist daher die “richtige Mitte”, dass ich möglichst neutral bleibe. Könnte also heißen, auch mal mit den Rechten zu reden und auch mit der Polizei.
    Dein Post hat mir den Eindruck vermittelt, als hättest du darauf verzichtet die Antifa zu fotografieren, weil diese lieber unerkannt bleiben möchte. Das wäre in meinem Augen falsch. Wenn ich mich da getäuscht habe, tut mir das leid.
    Ein Foto der netten Antifa Dame und ein unsinniger Kommentar eines rechten Paparazzo hätte das ganze bereichern können. Soll doch auch eine Reportage sein.
    Wäre es denn nicht mal interessant von einem rechten Paparazzo zu erfahren, warum er so viele Fotos macht?

    Hat die Antifa eigentlich gar nicht fotografiert? Bei uns im Norden ist die Antifa besser ausgerüstet: Fotos und Videos auf: http://provinzkritik.blogsport.de/



  6. Fabian Mohr sagt:
    22. August 2007 um 00:55

    >> Wäre es denn nicht mal interessant von einem rechten Paparazzo zu erfahren, warum er so viele Fotos macht?

    Jo, frag einen und lass uns wissen, welche Erkenntnisse du gewonnen hast.

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