We’re not in Kansas anymore
Autor: Fabian Mohr | 19. November 2007 | Bisher 5 Kommentare
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Etwas kürzer, etwas umgeschnitten. Einfach nur so.
Samstagmorgen, Oxford, Großbritannien: Eine Frau aus Rußland bringt Fünflinge zur Welt. Das Krankenhaus veröffentlich Videomaterial ohne Ton. Die BBC berichtet über die Mehrlingsgeburt - doch im Beitrag (via YouTube) sind deutlich Babygeräusche zu hören. Ein Audio-Fake. Mehr beim Guardian: Baby report lands BBC in new fakery row.
Auch im deutschen Fernsehen wird still und leise nachvertont. Als Historiker schäme ich mich immer ein klein wenig fremd, wenn “zeitgeschichtliche Dokumentationen” mit Sound aus der Konserve nachhelfen. Ob Geschütze abgefeuert werden, Flugzeugmotoren brummen, Kutschen durchs Bild fahren, Pferdehufen über Pflaster traben, Menschen sich in größeren Gruppen murmelnd unterhalten oder nur flanieren - es ist sehr oft nicht der authentische Sound, sondern Geräuschware von CDs, die hineingemischt wird.
Für Fernsehmacher mag es ja ein Problem sein, dass historische Aufnahmen oft nur ohne Ton oder in schlechter Qualität vorliegen. Und dennoch - Klang ist wie Bild und Text ein zentrales Element der Berichterstattung. Geräusche können den Charakter einer Szene dramatisch ändern, sie sind für die Glaubwürdigkeit überaus wichtig. Hier auf Konserven zurückzugreifen, ist eine ganz schlechte Idee - zumindest sollte es dann klar gekennzeichnet werden. Ähnlich den Hinweisen auf Archivmaterial in Nachrichtensendungen. Man sieht das in letzter Zeit öfter, eine sehr brauchbare Lösung.
Eigentlich will ich auch garnicht auf den bösen Menschen vom Fernsehen rumhacken. Im Multimedia-Sektor haben wir die gleichen Probleme: Was macht ein Reporter, der 15 gute Fotos zurückbringt, aber seine Audios in den Sand gesetzt hat? Was macht ein VJ, der später beim Schnitt merkt, wie endlangweilig der aufgenommene Sound ist? Ja, es gibt eine Reihe von Alternativen und Notlösungen - zum Beispiel keine Soundslides bauen, sondern eine normale Fotogalerie (das ist nicht verboten). Oder mit Musik arbeiten, mit Voice Over. Sehr grenzwertig wird es allerdings, wenn beim User der Eindruck entstehen soll, dass doch authentischer Sound verwendet wurde. Es gibt durch Websites wie Freesound Project ein großes Repertoire an Open Source Audio - die Verlockung wäre also gegeben, ein wenig zu tricksen.
Aber abgesehen davon, dass es nicht fair ist und journalistisch indiskutabel - es kommt auch mit großer Wahrscheinlichkeit ans Licht. Siehe BBC/Babys.
Soll man also Open Source Audio nicht verwenden? So kann man das natürlich nicht sagen. Für Bildung und Kunstprojekte ist es eine unschätzbar wichtige Quelle. Würde ich meine eigenen Hörspiele produzieren - ich wäre glücklich. In jeder Form von Reportage oder aktueller Berichterstattung haben solche Audio-Typicals aber nichts verloren.
Eine andere Frage, die ich mir selbst beim Videoschnitt gestellt habe: Wo liegen eigentlich hier die Grenzen?
Der Screenshot zeigt ein Beispiel aus einem Video, das ich gerade nochmal neu schneide. Man sieht, wie die Audiospur aus einem späteren Take in den davorliegenden hineingezogen wird. Der Effekt: Ein sanfter Übergang, der langsam einsetzende Sound der kommenden Szene bereitet den Zuseher auf einen Schnitt vor. Ist das schon grenzwertig? Ich würde sagen Nein. Aber streng genommen - well. Ich spiele mit dem Sound, koppele Sound und Bilder, die nicht zusammengehören - für einen winzigen dramaturgischen Effekt.
Ich bin offen gesagt noch etwas unschlüssig.
Lesenswert in diesem Zusammenhang: Die Ethical guidelines for editing audio des Canadian Journalism Project.
Hinweis für Feed-Leser: Die eingebetteten Google Maps sieht man leider nicht im Feedreader - Sie müssten ggf. kurz auf die Website wechseln.
Ich skizziere mal schnell einen Onlinevideo-Service, der mir immer dringender abgeht: Eine Website, die die komplette Distribution meiner Videos auf diverse Plattformen erledigt. Ich lade einmal ein hochauflösendes Video hoch, tagge es einmal, gebe ihm einmal Titel, Beschreibung und ggf noch Geocodierung mit auf den Weg. Weil ich es vorab in meinen Preferences festgelegt habe, weiß die Website, wohin meine Videos weitergereicht werden sollen. Zum Beispiel an Blip.tv, Vimeo, Brightcove, YouTube, Google Video und als Video-Podcast auf iTunes. Die Website aggregiert das Feedback (Kommentare) auf meine Videos von diesen Plattformen und bündelt sie mir als HTML-River und Feed. Ich sehe auf einer Traffic-Seite, wieviele Abrufe meine Videos auf jeder Plattform bekommen haben, dazu Referrer. Ich kann zentral für Werbung rund um meine Videos optieren (wo verfügbar).
Jetzt ist es doch so: Wer Videos produziert, insbesondere HD, ist nach dem Upload auf maximal 2,3 Plattformen hinreichend entnervt. Nach der Encodierung, die sowieso schon viel Zeit kostet, vergehen je nach Filegröße gut und gerne mehrere Stunden, bis das Video bei allen Anbietern meiner Wahl liegt. Die brauchen dann auch noch mal Zeit, um es für die Feld-Wald-Wiesen-Version runterzurechnen.
So hatte ich mir das Thema Distribution eigentlich nicht vorgestellt.
Was hätten Videoanbieter davon? Mehr und besseres Repertoire, nehme ich an. Nehmen wir Sevenload. Ich würde eigentlich nicht auf die Idee kommen, meine Videos dort hinzugeben. Aber als Teil eines größeren Upload-Portfolios, das ich mit ein paar Mausklicks konfiguriere, soll es mir recht sein.
Videoplattformen würden sich selbst vermutlich am liebsten als die Heimat für ihre Nutzer sehen. Aber ich habe kein richtige Heimat. Ich schätze zwar Blip.tv und Vimeo mehr als alle anderen wg. ihrer Features - und weil beide extrem guten und schnellen Support bieten.
Aber letztendlich sind Videoplattformen nichts anders als Sendemasten.