Fehler im SZ-Artikel “Freie Hatz für freie Bürger?”
16. März 2008Da die Süddeutsche Zeitung es trotz Email und Kommentar einfach nicht schafft, die sachlichen Fehler in ihrem Artikel “Freie Hatz für freie Bürger?” (auch bei jetzt.de veröffentlicht) zu korrigieren, eine kurze Klarstellung. SZ-Autor Niklas Hofmann über ISO 800:
“Der Blogger Fabian Mohr lässt seit Anfang des Monats nur noch Kommentatoren zu, die ihren vollen Namen angeben.”
Das ist nicht richtig. Weder stimmt es, dass Leser bei mir nur unter ihrem vollen Namen kommentieren dürfen (es geht auch Nickname und URL, die meisten meiner Leser kommentieren so), noch ist es zutreffend, dass ich das erst seit kurzem so halte. Meine Kommentar-Policy gilt seit Mai 2005, als dieses Blog an den Start ging - und ist seit Tag 1 nachzulesen.
Diese “Ungenauigkeiten” im SZ-Artikel sind überraschend, da man mit 30 Sekunden Recherche alles sauber eruieren hätte können. Es gibt Kommentar-Regeln für dieses Blog, die auf jeder Seite verlinkt sind; darüber hinaus einen Artikel, der eben jene Kommentar-Policy nochmal erläutert.
Es gab keinen Versuch des SZ-Autors, mit mir Kontakt aufzunehmen (Für die Jüngeren: Das war früher mal ein Teil von Recherche, wenn man über andere Leute geschrieben hat).
OK, no big deal. Aber stets augenöffnend für einen Journalisten, wenn er selber zum Gegenstand journalistischer Bemühungen wird. Ich habe mich auch nicht immer und überall mit Ruhm bekleckert, wirklich nicht - um so mehr bedauere ich das rückblickend in solchen Momenten.
Update, 11. April:
Es ist nicht so, dass nichts passiert wäre, seit die SZ vor gut vier Wochen über dieses Blog berichtet hat. Der Fehler steht zwar immer noch online bei sueddeutsche.de (bei jetzt.de ging der Artikeltext mit Hinweis auf das kostenpflichtige Print-Archiv offline); dafür hat sich die Redaktionsleitung in der Zwischenzeit aber mit Verve um Weltfinanzkrise, Privatfernsehen, SPD, Stasi, Herbert von Karajan und Currywürste gekümmert.
Da bleiben User-Mails, QS und das ganze lästige Online-Dingens schon mal liegen, das ist auch nicht schlimm.
Nicht so toll ist das Ganze wohl für den Autor selbst - Niklas Hofmann - mit dem ich sehr freundlichen und konstruktiven Kontakt hatte, der umgehend unter beide Artikel - als normaler User - einen Kommentar mit einer Korrektur gepostet hat. Danke bei dieser Gelegenheit.
Irgendwie ist es aber bei der Süddeutschen Zeitung unmöglich, einen Fehler innerhalb von vier Wochen in einem online gegangenen Artikel zu korrigieren, selbst wenn der Autor ausdrücklich auf den Fehler hinweist - so geschehen vor über zwei Wochen, via Mail, an den stv. Redaktionsleiter und Ressortchef Kultur von sueddeutsche.de (Leseprobe: “Die neuen Idiotae (…) Plädoyer für eine Wissensgesellschaft mit Verantwortung”).
Das Ergebnis: Kein Ergebnis.
Update 17. April:
Vorweg - wir reden immer noch über einen wirklich kleinen Fehler, den man in wenigen Sekunden beseitigen könnte. As easy as that. Das nicht vergessen, auch wenn die Geschichte längst die Schwelle zum gepflegten Slapstick überschritten hat.
Aus der bisherigen Kommunikation mit Niklas Hofmann, dem Autor des SZ-Artikels, hatte sich für mich der Eindruck verfestigt, den man auch als Außenstehender eigentlich nur gewinnen konnte: Ein harmloser Fehler passiert, der Autor will korrigieren, er dringt damit (aus welchen Gründen auch immer, ganz egal) nicht zur Redaktion durch und postet seine Korrekturen als Notlösung in die Artikel-Kommentare. Keine überzeugende Lösung, aber eine Geste.
Das Problem dabei - es war halt nicht so. Es gab, schon bevor mich Niklas Hofmann zum ersten Mal kontaktierte, Kontakt zwischen ihm und Bernd Graff, stv. Redaktionsleiter von sueddeutsche.de. Dabei wurde, wie zu hören ist, einvernehmlich vereinbart, dass der Fehler /im/ Artikel bewusst nicht korrigiert wird, sondern lediglich ein Kommentar mit Korrektur vom Autor unter den eigentlichen Text gesetzt wird.
Das ist, um es mal ohne jede Wertung zu sagen, aus den bisherigen Mails von Niklas Hofmann nicht herauszulesen gewesen. Well.
Interessant wird es aber woanders: Das, was ich erst für eine liebenswert-laienhafte Notlösung hielt, ist also die von sueddeutsche.de autorisierte Form der Qualitätssicherung.
Man muss sich diesen Workflow auf der Zunge zergehen lassen:
1) Ein SZ-Autor schreibt einen Artikel, dabei unterläuft ihm ein Fehler (C’est la vie, wissen wir alle).
2) Der Autor bemerkt den Fehler.
3) Der Fehler wird nicht korrigiert, er bleibt bewusst im Artikel stehen. Es gibt bewusst keinen Hinweis am Ende des Artikels, dass im Text ein Fehler enthalten ist. Google, DIZ und Co. liefern weiter den Fehler aus.
4) In den Kommentarfeldern unter dem Artikel - zwischen Verhaltensauffälligen, Wichtigtuern und anderen Nachtschattengewächsen - verfasst der Autor einen kurzen Text mit Korrektur. Dies geschieht in einem Teil von sueddeutsche.de, der der Redaktion so unheimlich und wesensfremd ist, dass ab 19 Uhr und an Wochenenden die Tore geschlossen bleiben. Wie bei Stadtparks, in die sich die Polizei nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr hineintraut.
5) Kommentieren weitere Leser unter dem Artikel, rutscht die Korrektur nach unten und verschwindet schnell auf den Folgeseiten der Artikelkommentare. Nur wer dann über den Artikel hinaus auch alle Kommentarseiten durchblättert (= die ganz harten Masochisten), erfährt überhaupt noch, dass im Text ein Fehler steht.
Was soll man sagen.
Update, 21. April:
Ich zögere eigentlich, dieser Story noch ein weiteres Kapitel hinzufügen.. die Wellen, die eine simple Bitte um Korrektur eines kleinen Fehlers ausgelöst hat, sind schlicht surreal.
Den Fehler im Artikel hat sueddeutsche.de nach wie vor nicht korrigiert. Neu ist, dass der Korrektur-Kommentar von Niklas Hofmann jetzt ans Ende des Artikels gezogen wurde - da wo man ihn zumindest nicht übersehen kann. Das ist sicher besser als die bisherige Lösung.
Keine großen Überraschungen im begleitenden Text der Redaktion: “Das Netz” ist - hier beginnt meine Interpretation - einfach überfordert damit, auch innovative Formen von Qualitätssicherung bei sueddeutsche.de zu würdigen. Deswegen, damit es auch bei den letzten “Idiotae” ankommt, nun eine “redundante” Lösung.
Leute, das ist exakt die Attitüde, die euch in den kommenden Jahren noch in den Hintern beißen wird.