Dann mal los
12. April 2008“You better start running” war ein Satz von George Riggs, an den ich mich heute noch gut erinnere. Riggs war damals - im Sommer 2005 während meiner IJP-Gaststation in San José - Herausgeber der Mercury News. Inzwischen ist er es nicht mehr, der “Merc” gehört jetzt MediaNews und hat mehrere schwere Entlassungswellen hinter sich. Hunderte Jobs sind verloren gegangen. Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Wer kann, flüchtet. Wie es im Newsroom einer der größeren Qualitätszeitungen der USA jetzt aussieht, dokumentiert eine Fotoserie bei Flickr, aufgenommen von Martin Gee (Grafiker bei den Mercury News). Ich kann das nicht unbefangen ansehen, es trifft mich wirklich. Rich Ramirez hat sich wie ein Bruder um mich gekümmert, mir Dutzende Kollegen vorgestellt, immer ein Ohr gehabt.
Was mich erstaunt - dass wir in Deutschland immer noch so tun, als sei das alles weit weg. Die Mercury News sind - neben dem San Francisco Chronicle - der “canary in the coalmine”. Silicon Valley und die übrige Bay Area haben einen Grad der Online-Durchdringung im täglichen Leben erreicht, der es Print, zumal bei Tageszeitungen, sehr schwer macht. Auch die weiteren Faktoren sind bekannt - Rendite-Druck, wegbrechende Classifieds. Vor wenigen Jahren konnte man die gedruckte Mercury News kaum heben. Zu viel Werbung.
Wie man vor diesem Hintergrund noch Zeit damit verschwendet, auf sentimentale und vor allem ja irrationale Online-Hasser zu hören, warum man überhaupt mit ihnen diskutiert, das ist mir rätselhaft. Diese Leute sind für Verlage und Sender problematischer Ballast in den kommenden Jahren.
Was bei den Mercury News passiert, ist näher, als wir gerne glauben würden. Die Transformation ist unausweichlich, längst im Gange und, keine Frage, oft frustrierend und schwer zu verstehen. Aber bis zum letzten Drücker zu warten und einer Welt nachzutrauern, die nie wiederkommen wird, ist keine Lösung.