Magnum in Motion: Crime and Punishment
8. November 2008Vor einigen Jahren habe ich für ZDF.de mit einer Papierjournalistin aus Huntsville, Texas, über die Todesstrafe gesprochen. Sie hatte als akkreditierte Beobachterin eine Reihe von Hinrichtungen besucht und für die Lokalzeitung darüber geschrieben. Auf meine Frage, wie sie selbst zur Todesstrafe stehe, wollte sie sich in der Sache nicht äußern. Für die Berichterstattung spiele es keine Rolle, ob man für oder gegen Hinrichtungen sei.
Wenig später wechselte sie dann als Pressesprecherin ins Texas Department of Criminal Justice, zuständig u.a. für die “Death Row” in Huntsville.
Ich denke, es ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr journalistische Objektivität und Distanz zum Thema ein frommer Wunsch sind, ein Räucherstäbchen für Journalistenschulen, mehr aber auch nicht. Reporter und Autoren haben selbstverständlich (oder besser gesagt - hoffentlich) eine Meinung und tragen sie mit sich zur nächsten Geschichte.
Was ist nun redlicher? So tun, als wäre man dpa und Neutralität vorspielen? Oder die eigenen Positionen offenlegen? Das als kurze Vorrede zu “Crime and Punishment” von Magnum in Motion, eine dramaturgisch hoch emotional gehaltene Abrechnung mit dem System der Todesstrafe.
Ich hatte Schwierigkeiten, eine adäquate Beschreibung für dieses Format zu finden. Foto-Leitartikel? Multimedia-Polemik? Wie auch immer. Es gibt Themen, denen man sich besser mit Attitüde nähert.
Update, 14.12.2008: “Crime and Punishment” ist offline, auch der dazugehörige Blog-Post existiert nicht mehr.