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Nach einigen Tagen Kurzurlaub beim deutschen Zoll ist die Flip HD, ein Geschenk von Tante Ruth aus Boston (ganz lieben Dank!), inzwischen bei uns angekommen. Der erste Eindruck - tres chic. Die Flip ist einen Hauch kleiner als das Nokia N82, wiegt gefühlt auch ein gutes Stück weniger. Das Interface ist sehr simpel gehalten, man kann eigentlich nichts falsch machen. Ein roter Knopf für Aufnahme starten, dazu eine Handvoll Buttons, um fertige Videos anzusehen oder zu löschen.
Mit einem Klick springt wie bei einem Schweizer Taschenmesser der USB-Anschluss aus dem Gehäuse - steckt man das an seinen Rechner, meldet sich sofort die mitgelieferte Software (FlipShare), mit der man seine Videos verwalten und bspw. direkt an YouTube weiterreichen kann. Der eingebaute Speicher von 4 GB erlaub 60 Minuten Aufnahmezeit, es gibt darüberhinaus keine Slots für Speicherkarten.
Die Videoqualität (1280×720, 16:9) ist für so ein kleines Stück Hardware erstaunlich gut. Hier ein paar Sekunden Testvideo: YouTube, hohe Qualität | Vimeo | Original-MP4 aus der Kamera (34 MB)
Tagsüber, bei ausreichend Licht, liefert die Flip HD schöne Bilder, ohne dass man ein Handbuch lesen muss oder irgend etwas bei den Einstellungen an der Kamera falsch machen könnte. Es gibt einfach keine Einstellungen - die Flip HD arbeitet vollautomatisch bei Belichtung, Weißabgleich und Schärfe.
Wo liegen ihre Schwächen? Ganz klar nachts und bei schummrigen Lichtverhältnissen in geschlossenen Räumen. Auch lange Schwenks wird man nie ganz perfekt hinbekommen. Theoretisch könnte man die Flip auch auf ein Stativ schrauben, doch dann würde wohl ihr Charme verloren gehen - nämlich losfilmen zu können, ohne große Ausrüstung mitschleppen zu müssen.
Wie schon ihre Vorgängermodelle ist die Flip HD ideal, um sie Reportern in die Hand zu geben. Besonders den Reportern, die sich nicht oder nur am Rande mit Bewegtbild beschäftigen. Es ist kinderleicht, beim Gespräch mit einem Interviewpartner die Kamera mitlaufen zu lassen oder einen Rundgang mit seinen eigenen Worten zu kommentieren (die Mikrofone sind praktischerweise so ausgerichtet, dass die eigene Stimme noch gut eingefangen wird, wenn man die Flip beim Filmen am halb ausgestreckten Arm vor sich her hält).
Wenn nun Videoprofis einwerfen, dass die Bildqualität und andere Faktoren nicht an die Perfektion ihrer Arbeit und an ihre speziellen Anforderungen heranreichen - ja, das mag sein. Nur wird die Flip HD durch ihre konsequent simpel gehaltene Bedienung bei doch erstaunlich detailreichen Bildern viel eher dazu beitragen, dass Video im journalistischen Kontext noch selbstverständlicher wird.
Im Moment leben Onlineangebote im wesentlichen immer noch von zwei Quellen für Bewegtbilder: externe Zulieferungen wie Reuters und der überschaubare Output der eigenen, oft noch kleinen, Videoredaktion. Viele, viele Termine, die von eigenen Journalisten vor Ort besetzt werden, generieren überhaupt kein Video; noch nicht einmal illustrative, ungeschnitte Kurzsequenzen. Kameras wie die Flip HD könnten das allmählich ändern. Die Anschaffungskosten sind mit ca. 200 USD pro Kamera sehr moderat.
Was man nicht unterschätzen sollte - die Flip HD macht Spaß. Nach ein paar Minuten vergisst man völlig, wie kompliziert Video früher war.
Etwas ausführlichere Reviews bei Cnet und in der New York Times.