Archiv: September, 2009

Ahoi

Autor: Fabian Mohr | 27. September 2009 | Kommentieren Sie diesen Artikel

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Multimedia Storytelling: Und nun?

Autor: Fabian Mohr | 20. September 2009 | Bisher 8 Kommentare

Eine Frage, die beim Scoopcamp vergangenen Donnerstag in Hamburg im Mittelpunkt stand, beschäftigt mich nun auch schon einige Zeit - wo stehen wir eigentlich und wie geht es weiter mit “Multimedia Storytelling”? Welche Ansätze funktionieren? Wo soll man die meist begrenzten Ressourcen investieren?

Vorweg - hier folgt kein Essay und, versprochen, kein Manifest. Nur ein paar lose Beobachtungen und Gedanken, noch ohne Anspruch auf Vollständigkeit und schon gar nicht auf Endgültigkeit, aber mit der Bitte um Feedback. Ich weiß, dass hier Leute mitlesen, die sich intensiv mit multimedialen Erzählformen beschäftigen. Ihre/Eure Einschätzung würde mich deswegen sehr interessieren.

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Das in Flash produzierte Multimedia-Paket alter Bauweise funktioniert einfach nicht. Es hat, wenn wir ehrlich zu uns sind, auch noch nie funktioniert.

Außer für uns selbst.

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Inhalte, die in dieser Form auch vor dem Internet schon da waren (Autorentexte, zweidimensional/statische Grafiken, lineares Bewegtbild), werden nicht dadurch multimedialer, dass man sie in Flash einwickelt und eine animierte Kulisse als Interface davorschiebt.

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Der Impact von Multimedia-Packages ist bisher erstaunlich niedrig. Das liegt zum einen daran, dass sie nicht für echten, messbaren Impact produziert wurden - die wahre Triebfeder ist eher eine Mischung aus Spieltrieb und Ego (beides legitim und wichtig). Zum anderen kann man Inhalte nirgendwo besser versenken und verbarrikadieren als in einem Flash-Package. Meist sind sie unsichtbar für Google; es gibt i.d.R. keine Kommentarfunktion; man hat keine Chance, einzelne Artikel via Twitter oder Facebook zu streuen; Verlinken wird durch Popups unnötig erschwert; die Bedienelemente müssen jedesmal neu erlernt werden.

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Ja, aber die New York Times? Die machen es doch genauso? Nein, nicht wirklich. Wenn man sich die besten multimedialen Projekte der New York Times ansieht, fallen zwei Aspekte auf: Konzentration und Erkenntnisgewinn. Konzentration bedeutet – es werden keine kompletten Themenpakete hinter ein Flash-Interface geworfen. Infografiker und Flash-Designer kümmern sich aber mit hohem Aufwand um spezielle Fragen, die visuell und interaktiv weit besser beantwortet werden können als mit Text. Erkenntnisgewinn meint – als Leser verlasse ich die Seite nicht mit dem Gefühl, überfressen zu sein, sondern zum ersten Mal etwas sehr Komplexes verstanden zu haben.

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Multimedia Storytelling ist, und da liegt ein Unterschied z.B. zu Video, nach wie vor etwas, das sich eine Online-Redaktion “gönnt”. Niemand erwartet, dass es sich in absehbarer Zeit amortisiert. Für die Weiterentwicklung ist das aber fatal: Es fehlt der Druck, bisherige Erzählformen in Frage zu stellen und auf längst bekannte Nutzungsmuster auszurichten. Ein Multimedia-Package, für das ich mehrere Stunden konzentrierter Bildschirm-Arbeit benötige, um es “abzuarbeiten”, ist an der Realität vorbei produziert.

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Im Tagesgeschäft findet Multimedia, mit Ausnahme von eingebundenen Videos, noch kaum statt. Der Schlüssel für dieses Problem sind einfach zu bedienende Tools und Kooperationen, mit denen man ohne großen Vorlauf und vor allem ohne das Geheimwissen der wenigen Multimedia-Journalisten in der eigenen Redaktion die Texte aufwerten kann. Statista ist ein gutes Beispiel dafür. Google Maps sowieso.

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Im Zweifelsfall sind Multimedia-Ressourcen im Tagesgeschäft besser aufgehoben als in Endlos-Projekten, die nach Monaten live gehen und wenige Tage später wieder in der Versenkung verschwinden. Multimedia Storytelling liefert mehr „Bang for the buck“, wenn in kleinen (idealerweise sogar wiederverwendbaren) Einheiten gedacht wird.

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Freie Journalisten, die multimedial arbeiten und mit Online-Angeboten ins Geschäft kommen wollen, sollten sich von der Vorstellung lösen, dass sie das klickbare Endprodukt anliefern müssen. Der Trend wird eher dahin gehen, dass Onlineangebote noch strenger auf eine einheitliche Präsentationsform bei Video, Audio-Slideshows oder Galerien achten und diese dann aus unterschiedlichen Quellen bespielen. Idealerweise wissen freie Journalisten in groben Zügen, wie Soundslides u.ä. funktionieren und können ihr Material entsprechend vorkonfektionieren. Die Endmontage machen dann aber andere.

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Was Journalisten, die in den alten Medien sozialisiert wurden, “nett” und “schön” finden, muss Online deswegen noch lange nicht automatisch funktionieren. Lob aus dieser Richtung sollte man als Multimedia-Journalist in die richtige Schublade stecken: Es ist eine nette, kollegiale Geste, aber im Zweifelsfall kein genügend hartes Feedback. Dazu ist die Erregungskurve bei Old Media einfach noch viel zu steil, wenn es um Multimedia geht.

Man muss nun nicht ins andere Extrem fallen und jedes kleine Multimedia-Projekt durch aufwändige Usability-Tests schicken. Es hilft aber schon, einzelne Personen durch die Inhalte klicken zu lassen und ihnen dabei über die Schulter zu schauen. Was man da hört, tut weh und öffnet den Blick: “Wo bin ich hier? Wie komme ich zurück?”, “Wieso ist das so kompliziert?”, “Ach, so war das gemeint?”, “Ich kann den Text nicht richtig scrollen”, “Gibt es hier so was wie eine Reihenfolge?”, “Drucken kann man das wirklich nicht?” usw. usf.

Am Ende des Tages messen unsere Leser multimediale Inhalte ganz nüchtern mit den selben Maßstäben wie alles andere auch. Es gibt keinen Bonus, nur weil wir das möglicherweise für Kunst halten. Oder so etwas in dieser Art.

Da war was

Autor: Fabian Mohr | 13. September 2009 | Bisher 5 Kommentare

working on zeit online redesign

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Die vergangenen eineinhalb Jahre ist bei ISO 800 weniger passiert, als mir lieb war - und das hatte einen Grund: Seit Frühsommer 2008 bin ich bei Zeit Online im Projekt Relaunch involviert.

Vor wenigen Tagen, am 5. September, ist nun das neue Design von Zeit Online (mehr dazu hier und hier) live gegangen. Wir freuen uns alle ein klein wenig und üben gerade „freies Wochenende haben“.

Die nächsten Wochen fixen wir, was noch hakt und reichen einige Features nach. Anschließend werde ich im Urlaub sehr viele italienische Cremekekse essen und irgendwann Mitte Oktober peu à peu anfangen, wieder so etwas wie ein Multimedia-Journalist zu sein.