Multimedia Storytelling: Und nun?

20. September 2009

Eine Frage, die beim Scoopcamp vergangenen Donnerstag in Hamburg im Mittelpunkt stand, beschäftigt mich nun auch schon einige Zeit - wo stehen wir eigentlich und wie geht es weiter mit “Multimedia Storytelling”? Welche Ansätze funktionieren? Wo soll man die meist begrenzten Ressourcen investieren?

Vorweg - hier folgt kein Essay und, versprochen, kein Manifest. Nur ein paar lose Beobachtungen und Gedanken, noch ohne Anspruch auf Vollständigkeit und schon gar nicht auf Endgültigkeit, aber mit der Bitte um Feedback. Ich weiß, dass hier Leute mitlesen, die sich intensiv mit multimedialen Erzählformen beschäftigen. Ihre/Eure Einschätzung würde mich deswegen sehr interessieren.

***

Das in Flash produzierte Multimedia-Paket alter Bauweise funktioniert einfach nicht. Es hat, wenn wir ehrlich zu uns sind, auch noch nie funktioniert.

Außer für uns selbst.

***

Inhalte, die in dieser Form auch vor dem Internet schon da waren (Autorentexte, zweidimensional/statische Grafiken, lineares Bewegtbild), werden nicht dadurch multimedialer, dass man sie in Flash einwickelt und eine animierte Kulisse als Interface davorschiebt.

***

Der Impact von Multimedia-Packages ist bisher erstaunlich niedrig. Das liegt zum einen daran, dass sie nicht für echten, messbaren Impact produziert wurden - die wahre Triebfeder ist eher eine Mischung aus Spieltrieb und Ego (beides legitim und wichtig). Zum anderen kann man Inhalte nirgendwo besser versenken und verbarrikadieren als in einem Flash-Package. Meist sind sie unsichtbar für Google; es gibt i.d.R. keine Kommentarfunktion; man hat keine Chance, einzelne Artikel via Twitter oder Facebook zu streuen; Verlinken wird durch Popups unnötig erschwert; die Bedienelemente müssen jedesmal neu erlernt werden.

***

Ja, aber die New York Times? Die machen es doch genauso? Nein, nicht wirklich. Wenn man sich die besten multimedialen Projekte der New York Times ansieht, fallen zwei Aspekte auf: Konzentration und Erkenntnisgewinn. Konzentration bedeutet – es werden keine kompletten Themenpakete hinter ein Flash-Interface geworfen. Infografiker und Flash-Designer kümmern sich aber mit hohem Aufwand um spezielle Fragen, die visuell und interaktiv weit besser beantwortet werden können als mit Text. Erkenntnisgewinn meint – als Leser verlasse ich die Seite nicht mit dem Gefühl, überfressen zu sein, sondern zum ersten Mal etwas sehr Komplexes verstanden zu haben.

***

Multimedia Storytelling ist, und da liegt ein Unterschied z.B. zu Video, nach wie vor etwas, das sich eine Online-Redaktion “gönnt”. Niemand erwartet, dass es sich in absehbarer Zeit amortisiert. Für die Weiterentwicklung ist das aber fatal: Es fehlt der Druck, bisherige Erzählformen in Frage zu stellen und auf längst bekannte Nutzungsmuster auszurichten. Ein Multimedia-Package, für das ich mehrere Stunden konzentrierter Bildschirm-Arbeit benötige, um es “abzuarbeiten”, ist an der Realität vorbei produziert.

***

Im Tagesgeschäft findet Multimedia, mit Ausnahme von eingebundenen Videos, noch kaum statt. Der Schlüssel für dieses Problem sind einfach zu bedienende Tools und Kooperationen, mit denen man ohne großen Vorlauf und vor allem ohne das Geheimwissen der wenigen Multimedia-Journalisten in der eigenen Redaktion die Texte aufwerten kann. Statista ist ein gutes Beispiel dafür. Google Maps sowieso.

***

Im Zweifelsfall sind Multimedia-Ressourcen im Tagesgeschäft besser aufgehoben als in Endlos-Projekten, die nach Monaten live gehen und wenige Tage später wieder in der Versenkung verschwinden. Multimedia Storytelling liefert mehr „Bang for the buck“, wenn in kleinen (idealerweise sogar wiederverwendbaren) Einheiten gedacht wird.

***

Freie Journalisten, die multimedial arbeiten und mit Online-Angeboten ins Geschäft kommen wollen, sollten sich von der Vorstellung lösen, dass sie das klickbare Endprodukt anliefern müssen. Der Trend wird eher dahin gehen, dass Onlineangebote noch strenger auf eine einheitliche Präsentationsform bei Video, Audio-Slideshows oder Galerien achten und diese dann aus unterschiedlichen Quellen bespielen. Idealerweise wissen freie Journalisten in groben Zügen, wie Soundslides u.ä. funktionieren und können ihr Material entsprechend vorkonfektionieren. Die Endmontage machen dann aber andere.

***

Was Journalisten, die in den alten Medien sozialisiert wurden, “nett” und “schön” finden, muss Online deswegen noch lange nicht automatisch funktionieren. Lob aus dieser Richtung sollte man als Multimedia-Journalist in die richtige Schublade stecken: Es ist eine nette, kollegiale Geste, aber im Zweifelsfall kein genügend hartes Feedback. Dazu ist die Erregungskurve bei Old Media einfach noch viel zu steil, wenn es um Multimedia geht.

Man muss nun nicht ins andere Extrem fallen und jedes kleine Multimedia-Projekt durch aufwändige Usability-Tests schicken. Es hilft aber schon, einzelne Personen durch die Inhalte klicken zu lassen und ihnen dabei über die Schulter zu schauen. Was man da hört, tut weh und öffnet den Blick: “Wo bin ich hier? Wie komme ich zurück?”, “Wieso ist das so kompliziert?”, “Ach, so war das gemeint?”, “Ich kann den Text nicht richtig scrollen”, “Gibt es hier so was wie eine Reihenfolge?”, “Drucken kann man das wirklich nicht?” usw. usf.

Am Ende des Tages messen unsere Leser multimediale Inhalte ganz nüchtern mit den selben Maßstäben wie alles andere auch. Es gibt keinen Bonus, nur weil wir das möglicherweise für Kunst halten. Oder so etwas in dieser Art.

8 Kommentare:



  1. Fabian Schweyher sagt:
    20. September 2009 um 20:00

    Danke für diesen Beitrag, der ein ungutes Gefühl meinerseits endlich in Worte fasst.

    Denn: Wir hängen fest. So lautet auch mein Fazit über Multimedia-Storytelling. Im Vergleich zu vor zwei, drei Jahren hat sich in dieser Hinsicht wirklich nicht viel getan. Leider.

    Inhalte kreativ in Flash einzubinden funktioniert ja leider nicht mal bei nicht-journalistischen Websites, etwa denen von Designern. Wer erarbeitet sich schon die Steuerung einer Website wie bei einem Computerspiel? Die, die es interessiert - und das ist nicht der User. Der ist viel zu schnell unterwegs, ja viel zu flüchtig, als dass er sich auf ein aufwendiges und kompliziertes Multimedia-Paket einlassen würde.



  2. Mart sagt:
    20. September 2009 um 21:29

    Gut und Wahr geschrieben. Ich habe zB. vor langer Zeit Magnuminmotion entdeckt, war begeistert - und wundere mich inzwischen, dass noch nicht an allen Ecken und Enden Entsprechendes, also eine intelligente Verquickung von Fotos, O-Tönen, Kommentar und Filmschnipseln entstanden ist. Dafür gibt es billig produzierte Videos, die auch so aussehen auf der einen Seite - und tolle, über leider über Monate zusammengebastelte, gerenderte Spielereien auf der Anderen.

    Was ist denn nun mit den sagenhaft tollen Filmen, die man inzwischen schon mit DSLRs für vergleichsweise wenig Geld schiessen kann? Wo bleiben die? Und: wo bleibt die passgenaue Einbindung ins Umfeld?



  3. Markus Leiter sagt:
    20. September 2009 um 23:01

    Auch ich war Teilnehmer beim scoopcamp und bin an mehreren Stellen zu der Überzeugung gelangt, dass man doch einmal genauer hinterfragen müsste, was multimediale Erzählformen im Gegensatz zu traditionellen denn nun tatsächlich leisten können und was nicht. Das blinde Credo “multimedia, was das Zeug hergibt!” ist in dieser Frage wohl genauso fehl am Platz wie das Bashing in die andere Richtung. Einen “goldenen Mittelweg” gibt es m.E. ebenfalls nicht - die Mitte von was? Es gilt, da pfliche ich Ihnen bei, Stürme im Wasserglas (z.B. das in Flash produzierte Multimedia-Paket alter Bauweise) in Zukunft zu verhindern. Diese - ich bleibe beim gewählten Bild - kommen bei vielen Usern oftmals eben nur als “verwehtes Zeug” an und wirken eher verkomplizierend als vereinfachend.

    Ich denke, ein grober Denkfehler im bisherigen multimedialen storytelling ist gewesen, dass es vielfach nicht mehr leistete als eine Inszenierung des traditionellen Erzählens, anstatt ANDERS zu erzählen. Traditionell nicht oder nur sehr mühsam Erzählbares erzählbar machen (wie z.B. das Lauryn Williams-Beispiel auf NYT) ist zweifellos die wichtigste Rolle, die multimediales storytelling spielen kann. Es liegt aber mit Sicherheit noch mehr Potenzial vor.

    Ein kleines Beispiel, das mir gerade in den Sinn kommt: Man könnte doch bei manchen “brisanten” (Exklusiv-)Geschichten multimediale Erzählformen verstärkt begleitend zur traditionellen Haupterzählform einsetzen, um das “Making of” einer Geschichte darzustellen. Das kann manchmal spannend sein und neue Perspektiven (für Debatten) eröffnen. Man verweist den User auf eine (sehr konkrete) Metaebene und macht das (Kant 2.0’sche?) “Ding in progess” viel unmittelbarer sichtbar. So sind multimediales und traditionelles storytelling dann nicht mehr zwei Inszenierungsformen ein und derselben Sache sondern sie werden - und das ist das Entscheidende hier - in ein ganz spezifisches Verhältnis zueinander verbracht und füllen unterschiedliche Funktionen aus. Die Funktionalität der jeweils zur Anwendung kommenden Erzählform sichtbar zu machen, auf welche Weise auch immer, ist m.E. eine Chance Dinge zu verbessern, die derzeit im Argen liegen.

    Abschließend meine ich, dass die Möglichkeiten von multimedialem und traditionellem storytelling kontextabhängig und variabel sind, d.h. im Einzelfall jeweils neu geklärt werden müssen und sich nicht universell festschreiben lassen. Verkennt man die Dynamik, lauern einem nämlich neue Paradoxien auf.



  4. Sascha Müller-Jänsch sagt:
    21. September 2009 um 17:44

    Schlaue Worte, denen nicht momentan nicht viel hinzuzufügen habe. Ein Aspekt aber, der nicht fehlen sollte: Ich bin der Überzeugung, dass noch nicht mal im klassischen Internet die Möglichkeiten des Storytelling ausgeschöpft sind. Auch hier gibt es noch mehr als einen neuen Pfad zu entdecken.

    Und schließlich: Mulitmedia darf kein Selbstzweck sein - es muss den Usern gefallen. Wenn sie einen Mehrwert (Spaß, Unterhaltung, Wissen) haben, werden die User die Multimedia-Inhalte nutzen - so wie zahlreiche Mini-Online-Spiele gerne genutzt werden. Also: Warum nicht mal spielerische an Vermittlung journalistischer Themen rangehen? Es gibt keinen ernsthaften Grund, warum das nur in der Pädagogig funktioniert, im Journalismus aber nicht. Nur das Denken in den Köpfen der Journalisten muss sich dafür erst mal ändern.



  5. Matthias Krause sagt:
    21. September 2009 um 21:19

    Ich glaube, einer der Kardinalfehler vieler multimedialer Flashpakete ist derselbe, an dem auch Millionen von Vorträgen kranken. Die Autoren haben brav all das relevante Material gesammelt, aber davon sind sie so erschöpft, dass keine Kraft und keine Zeit mehr bleibt, um noch Energie in die Didaktik zu investieren. Statt dessen werden die vorhandenen Werkzeuge um ihrer selbst Willen eingesetzt: “Wir können das, also machen wir das.” Inhalt bis zum Rand auffüllen und fertig.
    Bewegtbild etwa sollte aber kein Selbstzweck sein, nur weil es gerade “modern” ist. Es gibt Teile einer Story, die schreien nach gutem Videomaterial. Andere brauchen Text oder eine Grafik, um etwas Komplexes zu erzählen. Videos, die in Wirklichkeit Slide-Shows sind und dann im Stile der “Sendung mit der Maus” betextet werden, helfen auch niemandem weiter. Das ist banal. Und doch wird dauernd dagegen verstossen.
    Ich glaube, was wir brauchen für den nächsten Schritt sind Leute, die uns etwas darüber beibringen, wie Lernen funktioniert. Das sollte uns wichtige Hinweise darauf geben, wie wir die Stories, die wir erzählen wollen, so zerlegen, dass der Nutzer Spaß daran hat, sie wieder zusammen zu setzen und dabei noch einen Erkenntnisgewinn erzielt. Jedenfalls wenn das Ziel ist, Wissen zu vermitteln.
    Wir haben uns beim Scoopcamp in der Arbeitsgruppe Gedanken darüber gemacht, wie man einen Kommunalwahlkampf als Lokalzeitung multimedial aufbereiten sollte. Ergebnis war (sehr verkürzt), dass wir im Prinzip das Pferd von hinten aufgezäumen würden: Wir würden die Wähler in die Lage versetzen wollen, die Themen des Wahlkampfes zu bestimmen, anstatt sie sich von den Politikern diktieren zu lassen. Und in diesem Sinne haben wir dann die Werkzeuge identifiziert, die sich dafür am besten eignen und auf der Webseite realisieren lassen: Video-Box, Kandidatenwatch, Umfragen, Wahl-O-Mat etc. So wird ein Schuh daraus, nicht andersherum.
    Wie man es nicht macht, präsentiert übrigens gerade das ZDF: http://www.zdf.de/ZDFmediathek.....Popup=true Sieht recht hübsch aus, sind aber nichts anderes als 1:30-Häppchen von gestern frisch verpackt und neu serviert. Außerdem scheint es keinen einzigen Link nach außen zu geben. Nicht zu den Parteiprogrammen, nicht zu den Kandidaten o.a.. Somit bleibt das Stück eine einsame Insel im weiten WWW-Meer, schade eigentlich.
    Noch eine letzte Bemerkung zum Thema Freie und Multimediaprojekte: Nach meiner Erfahrung war es bislang praktisch unmöglich, Themen/Geschichten als Rohmaterial zu verkaufen, das dann in der Redaktion zusammengesetzt wird. Dazu haben zu viele Redaktionen das Knowhow (noch) nicht. Und wohl auch nicht die Arbeitskraft/Zeit. Mal ganz davon abgesehen, dass man dann so viel inhaltliche Kontrolle abgibt, dass einem ganz schummerig wird. Und dem Redakteur über die Schulter zu schauen, bezahlt einem niemand. Schließlich würde es noch schwieriger, einen “fairen” Preis für die Arbeit zu bestimmen. Im Augenblick stehen etwa bei Bewegtbildangeboten Aufwand und Ertrag in einem so miesen Verhältnis, dass man entweder gnadenlos die Qualität drücken muss oder man sich aufwändigere Projekte nur als Hobby/fürs Portfolio leisten kann.



  6. Milan Matull sagt:
    22. September 2009 um 14:10

    Lieber Fabian Mohr,

    wir hatten nach dem Vortrag von Wolfgang Blau beim Scoopcamp kurz Gelegenheit zu sprechen. Falls sie sich erinnern, es ging um ein zukünftiges Storytelling-Projekt von mir in Hamburg. ich finde, sie haben in ihrem Artikel einige interessante Aspekte aufgegriffen, die ich hiermit gerne kommentiere und ergänze.

    Die New York Times-Beispiele sind fast ausnahmslos hochwertig und gelungen. Sie schaffen einen Mehrwert (Einfache Erklärung eines komplexen Sachverhaltes), den ein normaler Artikel nicht zu leisten im Stande wäre. Die einfache Übertragung nach Deutschland ist aber zur Zeit leider noch schwierig.

    Das liegt soweit ich weiß vor allem daran, dass sich die NYT den vermeintlichen Luxus einer eigenen, ständigen Webdesign-Unit leistet. In Deutschland kann ich das bis auf weiteres nirgendwo erkennen. Zudem denke ich, dass bei den von ihnen gezeigten, erklärenden Stories das Kompetenzfeld des zukünftigen Online-Journalisten dort aufhört, wo Interaction- und Informations-Design beginnen. Das Zauberwort heißt hier, wie so oft, Kooperation.

    Die Welt und das globale Geschehen werden zunehmend komplexer, Datenströme nehmen eine unhandliche Dimension an. Informationsvisualisierung wird auch deshalb zukünftig eine noch größere Rolle spielen. Ihre Idee eines journalistischen “Visualisierungsbaukastens” ist insofern folgerichtig und unterstützenswert. Vielleicht wollen wir Tools und Ansätze hierzu einmal gemeinsam sammeln. Sparklines nach Tufte würde ich als einfaches und effektives Mittel gerne hinzufügen.

    Insgesamt denke ich aber, dass man dort leider schnell an Grenzen stößt. “Konfektionsvisualisierung” kann im Kleinen sicherlich helfen, im Großen wird man aber nicht an professioneller Hilfe vorbei kommen.

    Jenseits des Erklärbedarfs wäre für mich v.a. die Frage interessant, wie Multimedia Storytelling in anderen Formen (Reportage, Portraits) zum Einsatz kommen kann und wie man dort den Einsatz treffend begründet. Doch dazu vielleicht später mehr.

    Mit besten Grüßen,
    Milan Matull



  7. Fabian Mohr sagt:
    23. September 2009 um 09:27

    Vielen Dank für das Feedback soweit, sehr interessant!

    Kurz zu ein paar Einzelaspekten.

    @Markus Leiter

    Ja, ich fürchte nur, das “Making of” einer journalistischen Geschichte interessiert in erster Linie Journalisten, sonst aber eher wenige. Da ist die Wahrnehmung bei uns Journalisten manchmal vielleicht etwas getrübt. Die Frage ist ja - trägt das wirklich als Story für sich? Nicht nur als Add-On? Und wie schafft man es, dass das nicht als ungelenke Eigen-PR wahrgenommen wird (die es bisweilen ja ist)?

    @Sascha Müller-Jänsch

    Spielerische Umsetzungen wären sehr spannend. Ich erinnere mich an einen Fall, wo eine NGO (leider vergessen, welche) ein Online-Spiel produziert hat, in dem das Schicksal politischer Flüchtlinge wie in einem Game skizziert wurde. War ein sehr interessanter Ansatz. Das Problem bei Spielen - es ist eine Wissenschaft für sich. Gutes Game-Design kostet i.d.R. richtig Geld und benötigt einigen zeitlichen Vorlauf. Konzeptionell stellt es an die Redaktion dazu völlig neue Anforderungen. Angenommen, mir würde morgen jemand sagen - mach ein Spiel zur Finanzkrise! Ich würde bei null anfangen. Nicht, dass ich das nicht gerne tun würde, aber die Hürden sind hier relativ hoch. Deswegen bisher kaum Umsetzungen im journalistischen Kontext - und schon garnicht bei Online-Angeboten, die sich refinanzieren müssen.

    @Matthias Krause

    Das mit der inhaltlichen Kontrolle, die man abgibt, ist natürlich nichts anderes als bei einem Text, den man einer Zeitung abliefert - da habe ich auch schon große Augen gemacht, was bei mir zum Teil noch hineinredigiert wurde. Dennoch muss man als Medium die Möglichkeit haben, die Inhalte halbwegs so aufzubereiten, dass sie einen roten Faden erkennen lassen, textlich wie gestalterisch.

    Was das Rohmaterial angeht: Bei Zeit Online kaufen wir im Bereich Foto/Video/Storytelling nichts an, wo ein Interface mitgeliefert wird. Die Qualität der Aufbereitung ist einfach zu schwankend. Bei Soundslides bspw übernehmen wir die Bilder und ggf. Audio. Im Gegenzug bemühen wir uns sehr, die Sachen dann so zu bauen, dass die Fotografen happy sind und ihre Arbeiten da gerne sehen.

    @Milan Matull

    Ja, die NYT und andere Medien haben enorme Ressourcen im Multimedia-Bereich. Man kann allerdings auch mit weniger Zeit und Leuten etwas auf die Beine stellen. Gerade dann ist es m.E. aber wichtig, dass man sich nicht in Mega-Projekten verzettelt, von denen die Nutzer monatelang nichts mitbekommen.

    Hier noch der Link zu Sparkline: http://sparkline.org



  8. Oliver Bechmann sagt:
    4. Oktober 2009 um 10:56

    Fabian hat recht: Als Online-Journalist/Produzent schaue ich mir interessiert und häufig begeistert Multimedia-Packages an, als bloßer User habe ich dafür gar keine Zeit. Das sind typische Projekte, die man sich zurücklegt zum später lesen (was man nie tut, dafür eine schöne Bookmark-Gruft anlegt).

    Von der Arbeit bei einer überregionalen Tageszeitung her denke ich allerdings, dass schnell (meinetwegen billig) produzierte Videos unabdingbar sind: Sie lassen sich in ein paar Stunden herstellen (Termin am Vormittag, Autor schreibt Text während Foto-Audio-Video-Producer an seinem Zeug bastelt - man kann dann am späten Nachmittag/frühen Abend mit beidem rauskommen… oder erst morgens am Folgetag, um besser in die Wahrnehmung zu kommen).

    Beim Aufnehmen hilft eine 5DMkII (das Gerät meiner Wahl), gerade bei komplexeren Aufnahmesituationen, wo die Flip vielleicht überfordert ist - aber nicht beim eigentlichen Producing hinterher. Letztlich gilt das Motto: Keep it simple & stupid - beim Aufnehmen (das ganze Material, was man aufgenommen hat, muss man auch sichten und aussortieren), beim Produzieren (Bearbeitungszeit kurz halten), beim Präsentieren (Komplexität ist toll, überfordert aber die Aufnahmekapazitäten der User (in zeitlicher oder sonstiger Hinsicht).

    Ich persönlich denke auch, dass ein integriertes Flash-Package in die falsche Richtung geht: Einen geschriebenen Artikel kann ich schnell durchscannen, ob er mich interessiert oder nicht - oder ob mittendrin oder irgendwo hinten ein interessanter Passus steht. Bei den meisten Multimedia-Projekten kann ich das nicht oder nicht so leicht.

    Ich als User jedenfalls überfliege mal eben einen Text viel schneller und leichter als eben mal in ein Video, in eine (Audio-)Slideshow oder in ein ganzes Packet reinzuschauen. Die meisten Videos lasse ich ohnehin links liegen, weil sie mir zuviel Zeit rauben.

Einen Kommentar schreiben

Bitte lesen Sie die Regeln für Kommentare.

(obligatorisch - gegen Spam)