Video vs. Audio-Slideshow: Über ein Rennen, das gelaufen ist

10. Januar 2010

In den vergangenen Jahren ist vielen Fotografen und Multimediajournalisten (auch uns hier) die Audio-Slideshow ans Herz gewachsen. Von daher betrübt es mich fast ein wenig, wenn ich im Folgenden argumentieren werde, dass sich Audio-Slideshows als Format und Soundslides als Produktionsumgebung gegen Video - insbesondere HD - nicht mehr behaupten werden und wir sie deswegen in aller Freundschaft besser an den Nagel hängen.

Vielleicht zwei Punkte vorweg: Soundslides war ein wichtiger Impuls für die Weiterentwicklung des visuellen Onlinejournalismus, keine Frage. Und, ja, es wurden viele sehenswerte, eindrucksvolle Fotostrecken mit Sound produziert.

Mir geht es aber um einen unsentimentalen Ausblick: Was wird der Branchen-Standard sein, um Fotografie multimedial aufzubereiten und welche “Skills” sollte man sich vor diesem Hintergrund als Onlinejournalist und Fotograf aneignen? Meine These: Audio-Slideshows sind für Fotografen zur kreativen Sackgasse geworden; dazu kommen erhebliche, teilweise unterschätzte Hürden bei Produktion und Distribution. Video hingegen hat seine Kinderkrankheiten überwunden und ist als Leinwand für fotografisches Storytelling inzwischen konkurrenzlos. Mit Bewegtbild umgehen zu können, wird in den kommenden Jahren noch essenzieller sein als bisher.

Als Einstieg lohnt es sich, etwas weiter zurückzublicken - als Audio-Fotostrecken noch in Handarbeit produziert wurden. Schon bevor Joe Weiss 2005 die erste Version von Soundslides auf den Markt brachte, gab es Onlinejournalisten und Fotoreporter, die mit Variationen der Audio-Slideshow experimentierten. Mit der rasanten Verbreitung digitaler Kameratechnologie war es kein Problem mehr, Dutzende oder Hunderte Bilder in elektronischer Form von einem Termin mitzubringen; auch Audiorecording in akzeptabler Qualität war keine Hürde mehr. Schwierig wurde es, wenn man sein Material verarbeiten und live stellen wollte. Mangels Alternativen wurde das Gros der ambitionierten Projekte mit Flash von Macromedia (heute: Adobe) umgesetzt; umgesetzt bedeutet - sie wurden nicht nur als Flash ausgeliefert, sondern /in/ Flash programmiert.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals das kleine Porträt-Projekt “Alt werden, alt sein” als Teil eines größeres Themenpakets für BR Online realisiert habe. Über Monate hinweg fast jeden Abend tiefer und tiefer in Flash eindringen, Bilder editieren, Sound schneiden, produzieren, testen und nebenbei versuchen, über Actionscript nicht völlig den Verstand zu verlieren - es war eine mühsame Angelegenheit, bei der Aufwand, Ertrag und Spaß in keinem vernünftigen Verhältnis standen.

Wenn man diese Vorgeschichte kennt, kann man vielleicht etwas besser einschätzen, wie wichtig Soundslides für uns alle damals war. Audio-Slideshows konnten nun von technisch und visuell halbwegs versierten Onlinejournalisten erstellt werden; es war zwar immer noch nicht leicht (dazu gleich mehr), aber es war auch kein Mammutprojekt mehr, für das man sich einschließen musste. Soundslides kam auch deshalb gut an, weil Joe Weiss, früher Zeitungsfotograf und Multimedia-Producer bei MSNBC.com, ein sehr feines, maßgeschneidertes Tool geschaffen hatte - keinen überdimensionierten Werkzeugkasten wie die Flash-Autorenumgebung.

Arbeiten mit Soundslides, betrachtet man den gesamten Workflow, war allerdings nie ganz trivial. Unkritisch ist der mittlere Arbeitsschritt, das Arrangieren einer fertigen Audiospur mit Bildern zu einem dramaturgischen Ganzen. Doch schon die Audio-Produktion, die am Anfang steht, stellt relativ hohe Ansprüche, wenn man erstklassige Ergebnisse erzielen möchte. Im Prinzip muss man hier einen kurzen Radio-Beitrag (bspw. Collage, Reportage) bauen, während man vor seinem geistigen Auge bereits die spätere Bildfolge ablaufen lässt. Ein nachträgliches Bearbeiten der Audiospur innerhalb von Soundslides ist nicht möglich. Viele Produktionen geraten schon hier in Schieflage - das MP3 gerät zu lang, weil nicht energisch genug editiert wurde, oder es gibt inhaltliche Aussetzer. Im Idealfall sollte das Audio so “rund” sein, dass es selbst ohne Bilder noch funktionieren könnte. Nicht einfach.

Eine weitere Herausforderung ist die Bildauswahl. Da bei Soundslides nur Fotos eingesetzt werden und diese i.d.R. nicht händisch durchgeblättert werden, ist man Dramaturgie und Bildqualität ausgeliefert. Schon zwei, drei mittelmäßige Fotografien, die zusammen vielleicht nur etwa 20 Sekunden gezeigt werden, reichen völlig, um Zuseher mental aussteigen zu lassen. Es ist ein Aspekt, der häufig übersehen oder unterschätzt wurde: Soundslides deckt fotografische Schwächen gnadenlos auf. Es kann eben kein Blei zu Gold machen, keine hastig an einer Location zusammenfotografierten Bilder mit etwas Atmo-Sound zu einem multimedial hochwertigeren Produkt remixen. Herausragende Soundslides-Produktionen entstehen, wenn sehr gute und diszipliniert editierte Fotoserien über kurzweilige, abwechslungsreiche Audio-Spuren gelegt werden. Wieviele Prozent mögen das sein? Fünf? Wenn überhaupt.

Im Redaktionsalltag taucht zumindest bei Soundslides noch eine weitere Hürde auf: Die Software liefert neben der eigentlichen Audio-Slideshow aus Flashfile, XML, referenzierten Bildern sowie MP3-Datei auch das sie umgebende HTML - alles in eine übersichtliche Ordnerstruktur gepackt. Das ist sehr praktisch, wenn man in der Redaktion zu den wenigen gehört, die am CMS vorbei via FTP Dateien auf die Server legen dürfen (und wollen). Für alle anderen bedeutet es: Ohne Mithilfe von Technik oder Producing geht nichts. Man ist darauf angewiesen, dass Kollegen helfen, die Dateien live zu stellen und anschließend in die Seiten des Web-Angebots zu integrieren - dabei wird es dann je nach CMS-Umgebung u.U. auch noch einmal knifflig.

Ich liste das alles nur auf, um einen Punkt klar zu machen - Soundslides bedeutete vor einigen Jahren für eine eng umrissene, technisch relativ affine Zielgruppe die Lösung einer ganzen Reihe von Problemen. Verglichen mit den Schwierigkeiten, Audio-Slideshows jedes Mal von Grund auf neu zu programmieren, waren die Herausforderungen im Handling von Soundslides geradezu harmlos - für 2005 ein willkommener Workaround. Ein Format für Einsteiger war und ist es aber ausdrücklich nicht; nicht, wenn man es rational betrachtet. Dieser Punkt ist wichtig, da im Vergleich mit Video bei Audio-Slideshows gerne die steilere Lernkurve angeführt wird. Inzwischen hat sich das in meinen Augen ein gutes Stück relativiert.

Warum wird Video nun aber erst allmählich ein größeres Thema für multimedial arbeitende Fotografen? Hier muss man zunächst sehen, dass Video vor wenigen Jahren noch einen mittleren vierstelligen Invest bedeutete - zusätzlich zur Fotoausrüstung. Das zu einer Zeit, als die Bildqualität von Webvideo für die Präsentation von Fotografie unbefriedigend war und Breitband weniger verbreitet.

Heute müssen professionelle Fotografen, die sich alle paar Jahre ohnehin ein neues Gehäuse zulegen, keine separate Videoausrüstung mehr erwerben; HD-Video kommt frei Haus. Es gehört inzwischen zum Feature-Standard vieler Profi-DSLRs. Beim Bedienkomfort können die DSLRs zwar noch nicht mithalten, wenn man sie mit professionellen Videokameras vergleicht; bei der Bildqualität sind sie, setzt man ein kleines Set aus Fotokamera-Objektiven ein, um Längen überlegen. Sicher, wer aktuelles Tagesgeschäft macht, wird kaum die 7D zum Filmen verwenden. Wer aber Feature und Porträt filmt (nebenbei klassische Themen für Soundslides-Produktionen), wird wohl nichts anderes mehr in die Hand nehmen wollen.

Rasant weiterentwickelt hat sich auch das Thema Video-Hosting. Inzwischen hat man als Fotograf und Filmer exzellente Optionen - YouTube oder Vimeo, um nur zwei Beispiele zu nennen, bieten HD-Video kostenlos oder für wenig Geld an; die Darstellungsqualität hochauflösender Filme ist so weit fortgeschritten, dass Fotos in Bewegtbild ebenso scharf und detailreich wirken wie in Soundslides. Ein wichtiger Punkt, denn lange lagen Audio-Slideshows hier vorne, lieferten bessere Bildqualität aus. Aber das ist vorbei. Wie gut Fotografie zur Geltung kommt, wenn sie als Video ausgeliefert wird, kann man sich bspw. im Portfolio von MediaStorm ansehen.

Überhaupt MediaStorm. Gerade die Verbindung von Fotografie und Bewegtbild-Sequenzen kann eine erzählerische Kraft entfalten, mit der vertonte Fotostrecken nicht mithalten können. Liegen z.B. Interviews als Video und nicht nur als Audio vor, ist es im übrigen auch einfacher, gewisse Leerläufe bei den mitgebrachten Fotos zu überbrücken. Man zeigt zwischen Abfolgen von Einzelbildern Ausschnitte aus dem Video, gibt nebenbei seinen Zusehern ein Bild von der Stimme, die da spricht und nimmt Druck von den eigenen Schultern - den Druck, jeden Moment in der Präsentation mit einem packenden Foto bestücken zu müssen. Von den seltenen Fällen abgesehen, wenn man als Fotograf auf eine immens starke, abwechslungsreiche Bildlage stößt, ist genau das ja die Herausforderung. Alltag zu dokumentieren wird nun ein ganzes Stück einfacher, wenn man Bewegtbild miteinbezieht. Friends for Life ist voller Beispiele dafür. Die Bewegtbildsequenzen ab 00:23 und 07:47 etwa - beides keine dramatischen Szenen, aber authentischer, plastischer als Fotografien mit Sound.

Ein weiterer Aspekt, der inzwischen für Video spricht, ist die bessere Verbreitung und Sichtbarkeit der Inhalte. Während Audio-Slideshows, als Content betrachtet, immer noch Ausnahmeerscheinungen in einem großen Online-Angebot sind, denen mit einigem Aufwand der Traffic zugeführt werden muss, laufen Videos mehr oder weniger automatisch in die Bewegtbild-Welt ihres Mutterangebots ein, sind dort sichtbar, abspielbar und - wichtig - auch vermarktbar. Im Idealfall, wenn man bereit ist, Embedding zu aktivieren und/oder die Inhalte auch auf externe Plattformen zu geben, kommen Streueffekte dazu. Videos, die auf YouTube laufen und sorgfältig betextet und verschlagwortet wurden, ziehen weitere Zuseher an. Dieser Verbreitungsweg ist Audio-Slideshows, die nicht via Video ausgeliefert werden, verschlossen. Sieht man einmal von Display-Werbung oder Adsense ab, die wie auf allen anderen Seiten auch rund um eine eingebundene Soundslides-Präsentation stehen können, gibt es für Audio-Slideshows m. W. keine Ansätze, die Aufmerksamkeit ihrer Zuseher zu monetarisieren. Alles, was über Video ausgeliefert wird, kann dagegen auch mit speziellen Werbeformen wie PreRoll oder Companion Ads bespielt werden. Ich hatte auf diesen Aspekt schon vor kurzem hingewiesen - Multimediajournalisten müssen energischer daran mitarbeiten, dass ihr Arbeitsfeld nicht länger nur als Labor wahrgenommen wird, das man sich leistet und durchfüttert. Die Plattformfrage spielt hier mit hinein.

Auch wenn nun vieles - jedenfalls aus meiner Sicht - für Video spricht, um gute Fotostrecken in Szene zu setzen, muss man vor Video auch ausdrücklich warnen: Es kann einem den letzten Nerv rauben. Bis man ein Schnittprogramm verinnerlicht hat und sich im Dschungel der Codecs und Formate halbwegs zurechtgefunden hat, vergehen schnell Monate. Video aufnehmen und produzieren ist ein Handwerk im klassischen Sinne; nichts, das man sich durch ein bißchen Inspiration auf der Überholspur erschleichen kann. Bitte aber bedenken: Für einen Journalisten, der vorher nie Audio geschnitten hat, kaum Fotoerfahrung mitbringt und mit HTML und FTP eigentlich nichts am Hut hat, ist auch die erste gelungene Audio-Slideshow harte Arbeit.

Ein Trend ist inzwischen überdeutlich: Die Infrastruktur von Onlineredaktionen wird mehr und mehr auf Bewegtbild ausgerichtet sein; Flips und ähnliche Einfachkameras gehören allmählich zum Arbeitsgerät wie Kugelschreiber oder Diktiergerät. In dieser wachsenden Masse an Brot-und-Butter-Bewegtbild werden Videos, die starke Porträt- oder Reportagefotografie transportieren, immer qualitativ herausragen. Die künstlerische Kraft der Fotografie und ihre Popularität sind ja ungebrochen, unabhängig von der Darreichungsform. Es macht in meinen Augen aber keinen Sinn mehr, dieses Potenzial in Formate und Ausspielwege zu lenken, die wir vielleicht lieb gewonnen haben, die aber, wenn wir ehrlich sind, kreativ stagnieren und Liebhaberobjekte geblieben sind.

Damit es nun nicht nur bei einem etwas langatmigen Plädoyer bleibt, würde ich zum Schluss gerne drei konkrete Vorschläge formulieren.

1) Als Multimediareporter kein reines Audio mehr aufnehmen, sondern entweder fotografieren oder Video aufzeichnen. Atmo nur noch als Video mit nach Hause bringen, egal wie man es letztlich in der Produktion verwertet. Entscheidend ist, dass man sich die /Option/ offenlässt, immer auch Bewegtbild einzubinden.

2) Wenn man Fotografie online präsentiert, konzentriert man sich am besten auf zwei Formate: Die klassische Fotogalerie zum Durchklicken, möglichst großformatig - oder Video, im Idealfall HD.

3) Wer sich vorsichtig an den Bereich Multimedia herantastet und unschlüssig ist, welche “Skills” die wichtigsten sind: Als erstes Video lernen. Je intensiver, desto besser. Bewegtbild wird nicht weggehen, es ist keine Mode. Und es macht Spaß. Andere Darreichungsformen kann man sich später immer noch sukzessive aneignen, wenn man sie im Redaktionsalltag tatsächlich benötigt.

Was denken Sie zum Thema Video vs. Audio-Slideshow? Ich freue mich auf Ergänzungen, Feedback, Kritik.

Nachtrag, 14. Januar: Die Reaktionen bei Rivva zusammengefasst.

12 Kommentare:



  1. Oliver Bechmann sagt:
    10. Januar 2010 um 13:54

    Du fasst gut zusammen, warum ich mich von Soundslides & Audio-Slideshows ab- und den Video-Audio-Slide-Kombis zugewandt habe. Von Intensität und Dramaturgie geben die Kombinationen einfach am meisten her, und mit ein wenig Routine ist es möglich, sowohl einen Schnellschuss in der Tagesproduktion als auch ein anspruchsvolles Projekt hinzulegen. In Videoschnittprogrammen läßt sich das gut bewerkstelligen, und wichtig im Alltag ist, dass man mit der Software vertraut ist und nicht ständig umdenken muss. Allein das war ein Grund, von Soundslides wegzugehen und sich mit iMovie (reicht für Alltagsarbeiten) und/oder Final Cut etc. zu beschäftigen.

    Nachdem ich das gemacht hatte, bin ich immer wieder instinktiv vor Soundslides zurückgezuckt. iMovie etwa ist deswegen als Alltagstool sehr brauchbar, weil es eben auf der einen Seite simpel ist und auf der anderen Seite viel mehr Steuerungsmöglichkeiten aufweist. Und wer ein anspruchsvolles Projekt realisieren will, wird aufgrund der mit iMovie gemachten Erfahrungen gut zu Final Cut “aufsteigen” können (allerdings auch preislich).

    Neulich lass ich einen Blogbeitrag, (war’s Westbrook?), in dem dringend angeraten wurde, aufs Audio zu achten - mehr als auf alles andere sozusagen. Mit einem qualitativ guten Richtmikro auf der 5DMKII kriegt man eine gute Audioqualität und braucht den H2 nebenher nicht laufen lassen (außer als Backup, für die Off-Stimme o.ä.).

    Ich glaube allerdings nicht an das vollständige Aus der Audioslideshows. Ich finde pures Video hat seinen Reiz und seine speziellen Einsatzgebiete, wo es unschlagbar ist. Aber wenn es um Intensität geht, bringt der Wechsel von Bewegt- und Standbild wesentlich mehr. Die Konzentration auf den Moment, den das Foto eben bringt, läßt sich im Video nicht herstellen. Wenn ich Nicht-Multimediaspezis frage, sind sie am meisten beeindruckt, wenn auf ein Videosequenz ein oder mehrere Standbilder folgen, die Teilelemente der Videosequenz quasi hervorheben.



  2. markus schmeiduch sagt:
    10. Januar 2010 um 14:00

    gute Aufbereitung des Themas! und Ich stimme in allen Punkten zu. Audio Slideshows werden in Zukunft wohl eher ein Nischenthema sein und die Aufrüstung mit den HD-Videofähigen DSLRS ist ja momentan überall sichtbar.

    als Benchmark in dem Bereich Audioslideshows hingegen verweis ich immer auf die Magnum in Motion Series. zB http://inmotion.magnumphotos.com/essay/satellites .. sehr sehr gelungen!



  3. Felix Hügel sagt:
    10. Januar 2010 um 16:15

    Ich glaube auch nicht, dass sich Audio-Slideshows in der Masse durchsetzen werden. Für mich sind sie eine Kunstform, die anstrengend anzusehen ist, wenn sie nicht gut gemacht ist.
    Im schnellen und aktuellen Online-Journalismus wird die Audio-Slideshow sicher keine große Rolle spielen. Möglicherweise aber im Bereich des Online-Magazinjournalismus. Falls sich dieser mit Tablets und co. durchsetzen wird.

    Videos gehen immer, aber die Leute werden dauerhaft auch keine Lust auf hingerammschte Video-Stücke haben, wie sie gerade von Tageszeitungen oft angeboten werden.



  4. erz sagt:
    10. Januar 2010 um 21:55

    Zur Warnung vorweg: Ich bin reiner Autodidakt im Umgang mit den technischen Werkzeugen und nähere mich dem Medium als begeisterter Amateur. Deswegen mag es vielleicht naiv sein, wenn ich mich frage, wo jenseits des Workflows das entscheidende Alleinstellungsmerkmal von Audio-Slideshows gegenüber einer Videoproduktion ist.

    Ich habe mich mit Faszination beim Rufposten mit Matthias Eberls Analyse der narrativen Qualität einer Audioslideshow auseinandergesetzt und kann seiner Argumentation einer anders gelagerten Semiotik von einem wissenschaftlichen Standpunkt und auch dem eines staunenden Zuschauers aus folgen. Aber so lange Audioslideshows kein Element der Interaktion auf technischer Ebene (also klicken in Flashelemente) gegenüber dem gleichen Produkt, das mit einer Videoschnittsoftware aus Fotos und Tönen hergestellt wird, bieten, frage ich mich, was das Gewese um die Methode ist?

    Ich kann doch dank HD-Auflösung Videos erstellen und embedden, die genau so aus Standbildern und Audiospur in bestechender Qualität bestehen. Die Semiotik der Verknüpfung von Photografie und Erzählung bleibt doch unabhängig von der Technik bestehen. Meine Wahrnehmung als Rezipient bleibt unberührt davon, welche Flash-Plattorm nun Bild und Ton zusammenführt.

    Die Prosumerprodukte für Videobearbeiteung, selbst die Consumerprodukte aus dem Hause Apple erlauben es doch jedem Anwender, mit einer sehr flachen Lernkurve Bild und Ton zu verknüpfen und als Video bereit zu stellen. Getreu dem Motto “a tool doeth not the designer make” habe ich sogar eine Präsentationssoftware wie Keynote (Powerpoint sollte ähnliches leisten können) genutzt, um Animationen herzustellen, die Grundlage einer audiovisuellen Präsentation sind.

    Hochauflösende Fotos in eine Präsentation einzubinden, deren Timing für die Audiospur mittels der Präsentationssoftware zu bestimmen und jederzeit nachträglich zu ändern und verschiedene Audiospuren mit Drag und Drop auf dem aus der Präsentation zu exportierenden Video zu koordinieren, Texte einzublenden und Bildfoci mit KenBurns zu verschieben, ist nun wahrlich kein Hexenwerk. Eine gute Geschichte zu erzählen, das bleibt eine schwierige Kunst.

    Eine Evolution der Audioslideshow zu mehr Interaktivität, das wäre etwas, was Video nicht leisten kann. Wenn ich als User das Erzähltempo meiner Stimmung anpassen kann, in verschiedene Ambiente eintauchen, kontextuell relevante Fußnoten ein und ausblenden. Das wäre eine Immersion in die Erzählung, die nur dank technischer Unterschiede der Erzählform geleistet würde. Ansonsten sehe ich den fundamentalen Unterschied nicht. Deswegen bleibt nur der semiotische Gehalt, in dem sich Präsentationen unterscheiden.

    In dieser Form behalten Audioslideshows zumindest in einer undogmatischen Mischform aus Bewegtbild, Textanimation und Foto plus Tonspur sicher ihre Daseinsberechtigung.



  5. Steffen Leidel sagt:
    11. Januar 2010 um 11:51

    Danke für diesen Post. Ein paar Gedanken dazu meinerseits:
    http://training.dw-world.de/au.....ab/?p=1043



  6. Fabian Schweyher sagt:
    11. Januar 2010 um 21:48

    Ich habe mir auch ein paar Gedanken gemacht - siehe:
    http://www.soundphotographer.d.....ch-selbst/

    Grüße



  7. Fabian Mohr sagt:
    12. Januar 2010 um 11:44

    All: Danke für das interessante Feedback. Ich empfehle auch sehr, die in den Kommentaren verlinkten Artikel von Steffen und Fabian zu lesen.



  8. Tilman Hampl sagt:
    12. Januar 2010 um 21:19

    (Habe diesen Kommentar auch hier gepostet: http://loco.tumblr.com/post/33.....w-uber-ein)

    Erst einmal ist es natürlich sehr hilfreich, daß mit Steffen Leidel und Fabian Schweiher zwei “sehr berufene” Zeitgenossen zu dem Artige Stellung beziehen. Insbesondere letzterer ist mir durch seine hervorragenden Arbeiten (z.B. hier: http://www.soundphotographer.de/) immer wieder aufgefallen.

    Wer jemals Videos zu Reportagezwecken erstellt hat oder dies als Broterwerb macht, muß Mohrs Argumentation meiner Meinung nach allerdings stark anzweifeln. Neben Recherche, Storyboard, Aufnahmen, der notwendigen Technik und dem damit verbundenen Zeitaufwand sind gekonnte Bildführung und eine professionelle Vertonung solche “Brocken”, daß sich ein Vergleich mit der Erstellung einer selbst “komplexen” Audioslideshow im Grunde verbietet.

    Weder beim Video noch bei der Slideshow muss es dabei immer gleich um preiswürdige Geschichten gehen, nein, Alltagsgeschichten, die “mal schnell” gerade auch für den schnellen Infohunger eignen, will man doch auch mal, vielleicht zusätzlich zu einem Textbeitrag, anbieten.

    Aus meiner Erfahrung als Web- und Video-Trainer (gerade auch für Journalisten aus der schreibenden Zunft) ist es kaum möglich, die Technologie- und Lernkurve in überschaubarem Kosten- und Zeitrahmen zu halten, und dann auch noch gute Filme abzuliefern. Filme, die eben mehr sind als die ungeschnittene Sequenz von einer Unfallstelle, einem brennenden Haus oder einer Modenschau (genau so nutzen die meisten Medien das Format nämlich allzu oft). Das ist was für den Leserreporter. Wir sollten mehr wollen und dies auch mit weniger techn. Aufwand können, zumal uns die feinen, gefeilten und künstlerisch wertvollen Geschichten ja am Ende wieder keiner bezahlt.

    Der sich durch den Shift zur vorwiegenden mobilen Nutzung ändernde Medienkonsum zwingt uns, neue Formate einzusetzen, zwingt uns auch, Dinge neu zu beleuchten. Es wird viel Video geben, klar, aber da Audioslideshows bisher ein reines Nischendasein fristen, könnten wir sie dem Betrachter als ganz neues Format präsentieren. Und genau da sehe ich - gerade für den Bereich der mobilen Webnutzung - die Chance.

    Dabei wäre der in den Beiträgen auch diskutierte Weg, einzelne Videosequenzen einzubauen natürlich sehr willkommen, es muss aber auch möglich sein, mit reell. “einfachen” Bildern und techn. Mitteln, z.B. einem Mobiltelefon, eine gute Geschichte aus O-Ton und Fotos zusammenzustellen.



  9. Fabian Mohr sagt:
    13. Januar 2010 um 00:37

    Eine ergänzende Bitte vielleicht: Könnte hier jemand ein paar Links posten von real existierenden Audio-Slideshows, die z.B. Print- oder Radioredakteure nach (nicht während) einer Schulung im Rahmen ihrer normalen Arbeit erstellt haben? (Bitte keine Produktionen von Leuten, die selber Schulungen zum Thema geben oder punktuell angekaufte Produktionen von externen, freien Spezialisten). Mich würde sehr interessieren, wie hoch Pi mal Daumen die Zahl der produzierten Audio-Slideshows ist, die von normalen, multimedial unbelasteten Journalisten erstellt wurden. Ich habe da langsam das Gefühl, einem Yeti hinterherzulaufen ;-)



  10. zizou sagt:
    14. Januar 2010 um 16:52

    hallo zusammen,

    habe den beitrag und die diskussion darunter sehr interessiert verfolgt. ich bin fotografin und möchte mich nun näher mit den audio slideshows befassen - bisher habe ich eher im privaten rahmen mit dem medium herumexperimentiert und denke, dass die slideshow ein medium für sich darstellt und somit nicht mit video in einen topf geschmissen werden sollten. standbilder (=fotos) können eine ungeheuer nachhaltige wirkung haben, vorausgesetzt sie sind gut. mit video / film wird man an jeder ecke bedient - die nachhaltigkeit hier, bei kurzen geschichten gleicht eher einer berieselung, aber klar, dass onlineredaktionen dem trend hinterher jagen… . mich interessiert die mischung: audio slideshow + videosequenzen. kann mir jemand eine softwarelösung empfehlen, die beides möglicht macht ohne mich mit final cut beschäftigen zu müssen?
    über eine info würde ich mich freuen :)



  11. Oliver Bechmann sagt:
    20. Januar 2010 um 22:07

    @zizou: Audio-Slideshows mit Videosequenzen interessieren mich auch am meisten (z.B.: http://www.bechmann.org/appl-z/?p=343 - sorry fürs “Linkspamming”, aber du hast ja keine Email und keine URL hinterlassen) - und ich bastele so etwas meist mit iMovie zusammen.

    @Fabian: Bei der FR gab es mal Audioslideshow-Schulungen für die Print-Redakteure, die durchaus interessiert aufgenommen wurden. Ich kann mich aber an keine Echt-Produktion im laufenden Betrieb erinnern und hoffe, ich tue keinem Kollegen Unrecht, wenn ich hier mal behaupte: Es gibt keine.



  12. zizou sagt:
    21. Januar 2010 um 16:23

    Hallo Oliver,

    danke für den Link! Gut zu wissen, dass man auch mit iMovie vernünftige audio/video slideshows herstellen kann :) (Email Adresse schicke ich doch obligatorisch mit…? Steht zumindest dran, wenn ich hier kommentiere…)

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