Arbeiten mit einem Schwebestativ: Glidecam HD 1000

21. Februar 2010

glidecam hd1000, canon eos 7d camera,  rode ntg-2 microphoneBeim Filmen mit einer DSLR in HD kommt man relativ schnell an den Punkt, wo freihändiges Filmen genauso wenig funktioniert wie das Arbeiten mit einem klassischen Stativ.

Die 7D nur in die Hand zu nehmen, führt eigentlich immer zu verwackelten Aufnahmen. Ein schweres Manfrotto oder Sachtler wiederum möchte man auch nicht dauernd mit sich rumtragen, zumal diese Stative keine flexiblen Schwenks und Kameraläufe zulassen.

Für alles dazwischen gibt es u.a. so genannte Steadycam-Systeme (Schwebestative). Mich interessieren dabei die simpleren Lösungen, bei denen man ohne Gurte (Schulter, Hüfte) arbeitet. Vor einigen Tagen kam nun das Glidecam HD 1000 an und das erste Fazit fällt insgesamt positiv aus.

- Gegenüber handgefilmten Sequenzen ist die Bildruhe signifikant höher, auch bei Drehs im Laufen oder mit mehreren Schwenks und Perspektivwechseln. Das folgende Video zeigt Aufnahmen ohne (links) und mit Glidecam (rechts). Schön zu sehen: Ein Schwebestativ allein generiert noch keine Bilder wie auf Schienen - zwar wackelt die Kamera kaum, ein ruhigeres Schaukeln wie auf einem Schiff bei Seegang ist aber noch zu beobachten:

- Arbeiten mit dem Glidecam HD 1000 erfordert also einiges an Übung. Schwebestative sind keine Ausrüstung, die man ohne Einarbeitung verwendet.

- Das Glidecam HD 1000 ist in der Verwendung eher unauffällig, es wirkt nicht so sperrig und “kameramannig” wie eine Steadycam mit Gurtaufhängung

- Der Zusammenbau des Stativs ist einfach, das erste Austarieren bei aufgesetzter Kamera dagegen aufwändiger. Um ruhige Schwenks zu erreichen, muss man per Trial and Error exakt die Einstellung finden, in der das Ensemble aus Stativ, Kamera und Mikro nicht seitlich bzw. nach vorne oder hinten wegkippt. Wechselt man Objektive, kann durch die nur geringfügige Verlagerung des Schwerpunkts eine Neujustierung notwendig werden.

- Da man fast immer beide Hände zum Führen des Glidecam-Stativs benötigt (die eine Hand trägt, die andere stabilisiert sehr behutsam mit zwei Fingern), hat man während der Aufnahme keine weitere Hand frei. Folgt man sich bewegenden Objekten mit wenig Abstand, kann die saubere Focussierung zur Herausforderung werden.

- Das Glidecam HD 1000 ist sehr hilfreich, um kürzere Sequenzen (maximal eine, vielleicht zwei Minuten) einzufangen, zwischen denen man immer wieder etwas pausieren kann. Längere Einstellungen gehen zu sehr auf die Arme.

2 Kommentare:



  1. Oliver Bechmann sagt:
    21. Februar 2010 um 16:10

    Jetzt bin ich, ehrlich gesagt, ein bißchen enttäuscht von einem 300€-teuren Produkt, wenn ich es mit einem simplen 60€-Seagull-Schulterstativ vergleiche (etwa: hier…), das über Brust und Schulter eingeklemmt und mit einem einfachen Brustgurt fixiert wird.

    Beispiele wären hier zu sehen: http://www.fr-online.de/volltreffer - in den Videos gibt es nach dem Intro eine kurze Passage, bei denen ich rückwärts vor den sprechenden Sportredakteuren hergehe - und wer da schwankt, sind die beiden beim Gehen… der Film selbst ist nicht unruhiger als bei deinem obigen Test.

    Und muss dieses Schulterstativ nicht groß austarieren; man kann es auch sehr schnell an- und ablegen.

    Ich bin dir für diesen Beitrag sehr dankbar, denn ich bin schon länger am Liebäugeln mit einem professionelleren Rig - aber das Glidecam HD 1000 scheint da keine deutliche Verbesserung meiner derzeitigen Ausrüstungssituation darzustellen.



  2. jens [catenaccio] sagt:
    23. Februar 2010 um 12:41

    Das Seagull-Ding sieht auch gut aus. Ich hab mir dieses DIY-Steadycam-Geschraubsel ( http://steadycam.org/ ) gekauft und bin sehr zufrieden. Die Ergebnisse sind eigentlich identisch mit den oben gezeigten.

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