Thema: Audio

Soundtracker

Autor: Fabian Mohr | 31. Oktober 2010 | Kommentieren Sie diesen Artikel

Im Ressort Reise bei Zeit Online hat eine Serie begonnen, die ich Ihnen ans Herz legen möchte: Das Ohr zur Welt. Gordon Hempton, ein “Soundtracker”, sammelt Geräusche und erzählt die Geschichten dazu. Folge 1: Das Lied des Mäusebachs.

Mehr über Gordon Hempton hier.

Wer Geräusche liebt, wird One Minute Vacations ebenso mögen.

Video vs. Audio-Slideshow: Über ein Rennen, das gelaufen ist

Autor: Fabian Mohr | 10. Januar 2010 | Bisher 13 Kommentare

In den vergangenen Jahren ist vielen Fotografen und Multimediajournalisten (auch uns hier) die Audio-Slideshow ans Herz gewachsen. Von daher betrübt es mich fast ein wenig, wenn ich im Folgenden argumentieren werde, dass sich Audio-Slideshows als Format und Soundslides als Produktionsumgebung gegen Video - insbesondere HD - nicht mehr behaupten werden und wir sie deswegen in aller Freundschaft besser an den Nagel hängen.

Vielleicht zwei Punkte vorweg: Soundslides war ein wichtiger Impuls für die Weiterentwicklung des visuellen Onlinejournalismus, keine Frage. Und, ja, es wurden viele sehenswerte, eindrucksvolle Fotostrecken mit Sound produziert.

Mir geht es aber um einen unsentimentalen Ausblick: Was wird der Branchen-Standard sein, um Fotografie multimedial aufzubereiten und welche “Skills” sollte man sich vor diesem Hintergrund als Onlinejournalist und Fotograf aneignen? Meine These: Audio-Slideshows sind für Fotografen zur kreativen Sackgasse geworden; dazu kommen erhebliche, teilweise unterschätzte Hürden bei Produktion und Distribution. Video hingegen hat seine Kinderkrankheiten überwunden und ist als Leinwand für fotografisches Storytelling inzwischen konkurrenzlos. Mit Bewegtbild umgehen zu können, wird in den kommenden Jahren noch essenzieller sein als bisher.

Als Einstieg lohnt es sich, etwas weiter zurückzublicken - als Audio-Fotostrecken noch in Handarbeit produziert wurden. Schon bevor Joe Weiss 2005 die erste Version von Soundslides auf den Markt brachte, gab es Onlinejournalisten und Fotoreporter, die mit Variationen der Audio-Slideshow experimentierten. Mit der rasanten Verbreitung digitaler Kameratechnologie war es kein Problem mehr, Dutzende oder Hunderte Bilder in elektronischer Form von einem Termin mitzubringen; auch Audiorecording in akzeptabler Qualität war keine Hürde mehr. Schwierig wurde es, wenn man sein Material verarbeiten und live stellen wollte. Mangels Alternativen wurde das Gros der ambitionierten Projekte mit Flash von Macromedia (heute: Adobe) umgesetzt; umgesetzt bedeutet - sie wurden nicht nur als Flash ausgeliefert, sondern /in/ Flash programmiert.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals das kleine Porträt-Projekt “Alt werden, alt sein” als Teil eines größeres Themenpakets für BR Online realisiert habe. Über Monate hinweg fast jeden Abend tiefer und tiefer in Flash eindringen, Bilder editieren, Sound schneiden, produzieren, testen und nebenbei versuchen, über Actionscript nicht völlig den Verstand zu verlieren - es war eine mühsame Angelegenheit, bei der Aufwand, Ertrag und Spaß in keinem vernünftigen Verhältnis standen.

Wenn man diese Vorgeschichte kennt, kann man vielleicht etwas besser einschätzen, wie wichtig Soundslides für uns alle damals war. Audio-Slideshows konnten nun von technisch und visuell halbwegs versierten Onlinejournalisten erstellt werden; es war zwar immer noch nicht leicht (dazu gleich mehr), aber es war auch kein Mammutprojekt mehr, für das man sich einschließen musste. Soundslides kam auch deshalb gut an, weil Joe Weiss, früher Zeitungsfotograf und Multimedia-Producer bei MSNBC.com, ein sehr feines, maßgeschneidertes Tool geschaffen hatte - keinen überdimensionierten Werkzeugkasten wie die Flash-Autorenumgebung.

Arbeiten mit Soundslides, betrachtet man den gesamten Workflow, war allerdings nie ganz trivial. Unkritisch ist der mittlere Arbeitsschritt, das Arrangieren einer fertigen Audiospur mit Bildern zu einem dramaturgischen Ganzen. Doch schon die Audio-Produktion, die am Anfang steht, stellt relativ hohe Ansprüche, wenn man erstklassige Ergebnisse erzielen möchte. Im Prinzip muss man hier einen kurzen Radio-Beitrag (bspw. Collage, Reportage) bauen, während man vor seinem geistigen Auge bereits die spätere Bildfolge ablaufen lässt. Ein nachträgliches Bearbeiten der Audiospur innerhalb von Soundslides ist nicht möglich. Viele Produktionen geraten schon hier in Schieflage - das MP3 gerät zu lang, weil nicht energisch genug editiert wurde, oder es gibt inhaltliche Aussetzer. Im Idealfall sollte das Audio so “rund” sein, dass es selbst ohne Bilder noch funktionieren könnte. Nicht einfach.

Eine weitere Herausforderung ist die Bildauswahl. Da bei Soundslides nur Fotos eingesetzt werden und diese i.d.R. nicht händisch durchgeblättert werden, ist man Dramaturgie und Bildqualität ausgeliefert. Schon zwei, drei mittelmäßige Fotografien, die zusammen vielleicht nur etwa 20 Sekunden gezeigt werden, reichen völlig, um Zuseher mental aussteigen zu lassen. Es ist ein Aspekt, der häufig übersehen oder unterschätzt wurde: Soundslides deckt fotografische Schwächen gnadenlos auf. Es kann eben kein Blei zu Gold machen, keine hastig an einer Location zusammenfotografierten Bilder mit etwas Atmo-Sound zu einem multimedial hochwertigeren Produkt remixen. Herausragende Soundslides-Produktionen entstehen, wenn sehr gute und diszipliniert editierte Fotoserien über kurzweilige, abwechslungsreiche Audio-Spuren gelegt werden. Wieviele Prozent mögen das sein? Fünf? Wenn überhaupt.

Im Redaktionsalltag taucht zumindest bei Soundslides noch eine weitere Hürde auf: Die Software liefert neben der eigentlichen Audio-Slideshow aus Flashfile, XML, referenzierten Bildern sowie MP3-Datei auch das sie umgebende HTML - alles in eine übersichtliche Ordnerstruktur gepackt. Das ist sehr praktisch, wenn man in der Redaktion zu den wenigen gehört, die am CMS vorbei via FTP Dateien auf die Server legen dürfen (und wollen). Für alle anderen bedeutet es: Ohne Mithilfe von Technik oder Producing geht nichts. Man ist darauf angewiesen, dass Kollegen helfen, die Dateien live zu stellen und anschließend in die Seiten des Web-Angebots zu integrieren - dabei wird es dann je nach CMS-Umgebung u.U. auch noch einmal knifflig.

Ich liste das alles nur auf, um einen Punkt klar zu machen - Soundslides bedeutete vor einigen Jahren für eine eng umrissene, technisch relativ affine Zielgruppe die Lösung einer ganzen Reihe von Problemen. Verglichen mit den Schwierigkeiten, Audio-Slideshows jedes Mal von Grund auf neu zu programmieren, waren die Herausforderungen im Handling von Soundslides geradezu harmlos - für 2005 ein willkommener Workaround. Ein Format für Einsteiger war und ist es aber ausdrücklich nicht; nicht, wenn man es rational betrachtet. Dieser Punkt ist wichtig, da im Vergleich mit Video bei Audio-Slideshows gerne die steilere Lernkurve angeführt wird. Inzwischen hat sich das in meinen Augen ein gutes Stück relativiert.

Warum wird Video nun aber erst allmählich ein größeres Thema für multimedial arbeitende Fotografen? Hier muss man zunächst sehen, dass Video vor wenigen Jahren noch einen mittleren vierstelligen Invest bedeutete - zusätzlich zur Fotoausrüstung. Das zu einer Zeit, als die Bildqualität von Webvideo für die Präsentation von Fotografie unbefriedigend war und Breitband weniger verbreitet.

Heute müssen professionelle Fotografen, die sich alle paar Jahre ohnehin ein neues Gehäuse zulegen, keine separate Videoausrüstung mehr erwerben; HD-Video kommt frei Haus. Es gehört inzwischen zum Feature-Standard vieler Profi-DSLRs. Beim Bedienkomfort können die DSLRs zwar noch nicht mithalten, wenn man sie mit professionellen Videokameras vergleicht; bei der Bildqualität sind sie, setzt man ein kleines Set aus Fotokamera-Objektiven ein, um Längen überlegen. Sicher, wer aktuelles Tagesgeschäft macht, wird kaum die 7D zum Filmen verwenden. Wer aber Feature und Porträt filmt (nebenbei klassische Themen für Soundslides-Produktionen), wird wohl nichts anderes mehr in die Hand nehmen wollen.

Rasant weiterentwickelt hat sich auch das Thema Video-Hosting. Inzwischen hat man als Fotograf und Filmer exzellente Optionen - YouTube oder Vimeo, um nur zwei Beispiele zu nennen, bieten HD-Video kostenlos oder für wenig Geld an; die Darstellungsqualität hochauflösender Filme ist so weit fortgeschritten, dass Fotos in Bewegtbild ebenso scharf und detailreich wirken wie in Soundslides. Ein wichtiger Punkt, denn lange lagen Audio-Slideshows hier vorne, lieferten bessere Bildqualität aus. Aber das ist vorbei. Wie gut Fotografie zur Geltung kommt, wenn sie als Video ausgeliefert wird, kann man sich bspw. im Portfolio von MediaStorm ansehen.

Überhaupt MediaStorm. Gerade die Verbindung von Fotografie und Bewegtbild-Sequenzen kann eine erzählerische Kraft entfalten, mit der vertonte Fotostrecken nicht mithalten können. Liegen z.B. Interviews als Video und nicht nur als Audio vor, ist es im übrigen auch einfacher, gewisse Leerläufe bei den mitgebrachten Fotos zu überbrücken. Man zeigt zwischen Abfolgen von Einzelbildern Ausschnitte aus dem Video, gibt nebenbei seinen Zusehern ein Bild von der Stimme, die da spricht und nimmt Druck von den eigenen Schultern - den Druck, jeden Moment in der Präsentation mit einem packenden Foto bestücken zu müssen. Von den seltenen Fällen abgesehen, wenn man als Fotograf auf eine immens starke, abwechslungsreiche Bildlage stößt, ist genau das ja die Herausforderung. Alltag zu dokumentieren wird nun ein ganzes Stück einfacher, wenn man Bewegtbild miteinbezieht. Friends for Life ist voller Beispiele dafür. Die Bewegtbildsequenzen ab 00:23 und 07:47 etwa - beides keine dramatischen Szenen, aber authentischer, plastischer als Fotografien mit Sound.

Ein weiterer Aspekt, der inzwischen für Video spricht, ist die bessere Verbreitung und Sichtbarkeit der Inhalte. Während Audio-Slideshows, als Content betrachtet, immer noch Ausnahmeerscheinungen in einem großen Online-Angebot sind, denen mit einigem Aufwand der Traffic zugeführt werden muss, laufen Videos mehr oder weniger automatisch in die Bewegtbild-Welt ihres Mutterangebots ein, sind dort sichtbar, abspielbar und - wichtig - auch vermarktbar. Im Idealfall, wenn man bereit ist, Embedding zu aktivieren und/oder die Inhalte auch auf externe Plattformen zu geben, kommen Streueffekte dazu. Videos, die auf YouTube laufen und sorgfältig betextet und verschlagwortet wurden, ziehen weitere Zuseher an. Dieser Verbreitungsweg ist Audio-Slideshows, die nicht via Video ausgeliefert werden, verschlossen. Sieht man einmal von Display-Werbung oder Adsense ab, die wie auf allen anderen Seiten auch rund um eine eingebundene Soundslides-Präsentation stehen können, gibt es für Audio-Slideshows m. W. keine Ansätze, die Aufmerksamkeit ihrer Zuseher zu monetarisieren. Alles, was über Video ausgeliefert wird, kann dagegen auch mit speziellen Werbeformen wie PreRoll oder Companion Ads bespielt werden. Ich hatte auf diesen Aspekt schon vor kurzem hingewiesen - Multimediajournalisten müssen energischer daran mitarbeiten, dass ihr Arbeitsfeld nicht länger nur als Labor wahrgenommen wird, das man sich leistet und durchfüttert. Die Plattformfrage spielt hier mit hinein.

Auch wenn nun vieles - jedenfalls aus meiner Sicht - für Video spricht, um gute Fotostrecken in Szene zu setzen, muss man vor Video auch ausdrücklich warnen: Es kann einem den letzten Nerv rauben. Bis man ein Schnittprogramm verinnerlicht hat und sich im Dschungel der Codecs und Formate halbwegs zurechtgefunden hat, vergehen schnell Monate. Video aufnehmen und produzieren ist ein Handwerk im klassischen Sinne; nichts, das man sich durch ein bißchen Inspiration auf der Überholspur erschleichen kann. Bitte aber bedenken: Für einen Journalisten, der vorher nie Audio geschnitten hat, kaum Fotoerfahrung mitbringt und mit HTML und FTP eigentlich nichts am Hut hat, ist auch die erste gelungene Audio-Slideshow harte Arbeit.

Ein Trend ist inzwischen überdeutlich: Die Infrastruktur von Onlineredaktionen wird mehr und mehr auf Bewegtbild ausgerichtet sein; Flips und ähnliche Einfachkameras gehören allmählich zum Arbeitsgerät wie Kugelschreiber oder Diktiergerät. In dieser wachsenden Masse an Brot-und-Butter-Bewegtbild werden Videos, die starke Porträt- oder Reportagefotografie transportieren, immer qualitativ herausragen. Die künstlerische Kraft der Fotografie und ihre Popularität sind ja ungebrochen, unabhängig von der Darreichungsform. Es macht in meinen Augen aber keinen Sinn mehr, dieses Potenzial in Formate und Ausspielwege zu lenken, die wir vielleicht lieb gewonnen haben, die aber, wenn wir ehrlich sind, kreativ stagnieren und Liebhaberobjekte geblieben sind.

Damit es nun nicht nur bei einem etwas langatmigen Plädoyer bleibt, würde ich zum Schluss gerne drei konkrete Vorschläge formulieren.

1) Als Multimediareporter kein reines Audio mehr aufnehmen, sondern entweder fotografieren oder Video aufzeichnen. Atmo nur noch als Video mit nach Hause bringen, egal wie man es letztlich in der Produktion verwertet. Entscheidend ist, dass man sich die /Option/ offenlässt, immer auch Bewegtbild einzubinden.

2) Wenn man Fotografie online präsentiert, konzentriert man sich am besten auf zwei Formate: Die klassische Fotogalerie zum Durchklicken, möglichst großformatig - oder Video, im Idealfall HD.

3) Wer sich vorsichtig an den Bereich Multimedia herantastet und unschlüssig ist, welche “Skills” die wichtigsten sind: Als erstes Video lernen. Je intensiver, desto besser. Bewegtbild wird nicht weggehen, es ist keine Mode. Und es macht Spaß. Andere Darreichungsformen kann man sich später immer noch sukzessive aneignen, wenn man sie im Redaktionsalltag tatsächlich benötigt.

Was denken Sie zum Thema Video vs. Audio-Slideshow? Ich freue mich auf Ergänzungen, Feedback, Kritik.

Nachtrag, 14. Januar: Die Reaktionen bei Rivva zusammengefasst.

Viel Lärm von nichts

Autor: Fabian Mohr | 16. November 2007 | Bisher 3 Kommentare

Samstagmorgen, Oxford, Großbritannien: Eine Frau aus Rußland bringt Fünflinge zur Welt. Das Krankenhaus veröffentlich Videomaterial ohne Ton. Die BBC berichtet über die Mehrlingsgeburt - doch im Beitrag (via YouTube) sind deutlich Babygeräusche zu hören. Ein Audio-Fake. Mehr beim Guardian: Baby report lands BBC in new fakery row.

Auch im deutschen Fernsehen wird still und leise nachvertont. Als Historiker schäme ich mich immer ein klein wenig fremd, wenn “zeitgeschichtliche Dokumentationen” mit Sound aus der Konserve nachhelfen. Ob Geschütze abgefeuert werden, Flugzeugmotoren brummen, Kutschen durchs Bild fahren, Pferdehufen über Pflaster traben, Menschen sich in größeren Gruppen murmelnd unterhalten oder nur flanieren - es ist sehr oft nicht der authentische Sound, sondern Geräuschware von CDs, die hineingemischt wird.

Für Fernsehmacher mag es ja ein Problem sein, dass historische Aufnahmen oft nur ohne Ton oder in schlechter Qualität vorliegen. Und dennoch - Klang ist wie Bild und Text ein zentrales Element der Berichterstattung. Geräusche können den Charakter einer Szene dramatisch ändern, sie sind für die Glaubwürdigkeit überaus wichtig. Hier auf Konserven zurückzugreifen, ist eine ganz schlechte Idee - zumindest sollte es dann klar gekennzeichnet werden. Ähnlich den Hinweisen auf Archivmaterial in Nachrichtensendungen. Man sieht das in letzter Zeit öfter, eine sehr brauchbare Lösung.

Eigentlich will ich auch garnicht auf den bösen Menschen vom Fernsehen rumhacken. Im Multimedia-Sektor haben wir die gleichen Probleme: Was macht ein Reporter, der 15 gute Fotos zurückbringt, aber seine Audios in den Sand gesetzt hat? Was macht ein VJ, der später beim Schnitt merkt, wie endlangweilig der aufgenommene Sound ist? Ja, es gibt eine Reihe von Alternativen und Notlösungen - zum Beispiel keine Soundslides bauen, sondern eine normale Fotogalerie (das ist nicht verboten). Oder mit Musik arbeiten, mit Voice Over. Sehr grenzwertig wird es allerdings, wenn beim User der Eindruck entstehen soll, dass doch authentischer Sound verwendet wurde. Es gibt durch Websites wie Freesound Project ein großes Repertoire an Open Source Audio - die Verlockung wäre also gegeben, ein wenig zu tricksen.

Aber abgesehen davon, dass es nicht fair ist und journalistisch indiskutabel - es kommt auch mit großer Wahrscheinlichkeit ans Licht. Siehe BBC/Babys.

Soll man also Open Source Audio nicht verwenden? So kann man das natürlich nicht sagen. Für Bildung und Kunstprojekte ist es eine unschätzbar wichtige Quelle. Würde ich meine eigenen Hörspiele produzieren - ich wäre glücklich. In jeder Form von Reportage oder aktueller Berichterstattung haben solche Audio-Typicals aber nichts verloren.

Eine andere Frage, die ich mir selbst beim Videoschnitt gestellt habe: Wo liegen eigentlich hier die Grenzen?

Screenshot Video Sound Mix

Der Screenshot zeigt ein Beispiel aus einem Video, das ich gerade nochmal neu schneide. Man sieht, wie die Audiospur aus einem späteren Take in den davorliegenden hineingezogen wird. Der Effekt: Ein sanfter Übergang, der langsam einsetzende Sound der kommenden Szene bereitet den Zuseher auf einen Schnitt vor. Ist das schon grenzwertig? Ich würde sagen Nein. Aber streng genommen - well. Ich spiele mit dem Sound, koppele Sound und Bilder, die nicht zusammengehören - für einen winzigen dramaturgischen Effekt.

Ich bin offen gesagt noch etwas unschlüssig.

Lesenswert in diesem Zusammenhang: Die Ethical guidelines for editing audio des Canadian Journalism Project.

Pergola, Algund

Autor: Fabian Mohr | 1. August 2007 | Bisher 8 Kommentare

Audio-Galerie bitte hier starten
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Die Video-Kamera hatte ich dabei - aber am Ende war die Entscheidung klar, dass diese kurze Geschichte nur als Fotosequenz funktioniert: der Versuch einer ganz kleinen Reise/Architektur-Reportage über das Hotel Pergola in Algund/Südtirol.

Dass dort nichts passiert und niemand Hektik verbreitet, macht einerseits die Qualität und den besonderen Charme dieses Designhotels aus. Andererseits - für Videoaufnahmen gibt es spannendere Locations. Dazu kommt die für Architektur doch wichtige Bildqualität. Fotografie ist hier um Längen überlegen, insbesondere natürlich bei Nachtaufnahmen und Langzeitbelichtungen.

An anderer Stelle habe ich dann Videos aufgenommen - angenehm, wenn man beide Optionen hat und von Fall zu Fall entscheiden kann, was sinnvoller ist. Nicht so angenehm sind die vielen Kilo Ausrüstung, die der bimedial Narrische den Berg hinaufschleppen muss. Sherpa, please.

Ein Tipp noch: Moby stellt großartige Ambient-Titel, die zeitgleich mit dem Hotel-Album produziert wurden, für nichtkommerzielle Filmemacher kostenlos als Soundtrack auf gratis.moby.com zur Verfügung. Der Workflow ist relativ unkompliziert, nach wenigen Tagen hat man das OK, ob man den gewünschten Titel verwenden kann. Wunderbare Idee.

Nest Bau Kunst

Autor: Fabian Mohr | 12. Juni 2007 | Bisher 5 Kommentare

Webervogel
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Webervogel
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Sind Tiere im Zoo glücklich? Well. Was die Webervögel in Hellabrunn angeht - die haben vermutlich keine Zeit, darüber nachzudenken. Beim notorischen Nestbauen kann man ihnen aus nächster Nähe zusehen, ohne Trennscheibe.

Nicht ganz leicht zu fotografieren - da die Vögel extrem hibbelig sind, muss man die Kamera zwingen, maximal 1/100 Sekunde zu belichten. Und selbst das ist in einigen Fällen noch viel zu viel. Im Gehege ist das Licht diffus bis dunkel, deshalb ISO 800. Das Audio ist binaural aufgenommen - wer Kopfhörer verwendet, hat den vollen Stereo-Effekt. Audio-Galerie bitte hier starten.

Nachtrag: Mir fällt gerade auf, dass ich einen ziemlich klassischen Fehler gemacht habe - im Audio hört man neben den Vogelgeräuschen sehr deutlich auch Kinder und ihre Eltern. Ich habe nur keine Bilder von ihnen gemacht. Dumm. Dabei ist es eine uralte Regel - mach immer auch Fotos von der Gesamtsituation, am besten gleich zu Beginn. Sonst vergisst man es, wenn die Details vielleicht spannender sind. Quod erat demonstrandum.

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