Thema: BBC

Thou foolish insolent fellow!

Autor: Fabian Mohr | 25. Februar 2008 | Bisher 1 Kommentar

bbc, the insult generator

Wäre das nicht fein, wenn man - statt GEZ - seine Gebühren einem öffentlich-rechtlichen Sender seines Vertrauens überweisen dürfte?

Irgendwo in Europa?

BBC online: Shakespeare Insult-O-Matic
BBC mobile: Shakespeare Insult Generator

Viel Lärm von nichts

Autor: Fabian Mohr | 16. November 2007 | Bisher 3 Kommentare

Samstagmorgen, Oxford, Großbritannien: Eine Frau aus Rußland bringt Fünflinge zur Welt. Das Krankenhaus veröffentlich Videomaterial ohne Ton. Die BBC berichtet über die Mehrlingsgeburt - doch im Beitrag (via YouTube) sind deutlich Babygeräusche zu hören. Ein Audio-Fake. Mehr beim Guardian: Baby report lands BBC in new fakery row.

Auch im deutschen Fernsehen wird still und leise nachvertont. Als Historiker schäme ich mich immer ein klein wenig fremd, wenn “zeitgeschichtliche Dokumentationen” mit Sound aus der Konserve nachhelfen. Ob Geschütze abgefeuert werden, Flugzeugmotoren brummen, Kutschen durchs Bild fahren, Pferdehufen über Pflaster traben, Menschen sich in größeren Gruppen murmelnd unterhalten oder nur flanieren - es ist sehr oft nicht der authentische Sound, sondern Geräuschware von CDs, die hineingemischt wird.

Für Fernsehmacher mag es ja ein Problem sein, dass historische Aufnahmen oft nur ohne Ton oder in schlechter Qualität vorliegen. Und dennoch - Klang ist wie Bild und Text ein zentrales Element der Berichterstattung. Geräusche können den Charakter einer Szene dramatisch ändern, sie sind für die Glaubwürdigkeit überaus wichtig. Hier auf Konserven zurückzugreifen, ist eine ganz schlechte Idee - zumindest sollte es dann klar gekennzeichnet werden. Ähnlich den Hinweisen auf Archivmaterial in Nachrichtensendungen. Man sieht das in letzter Zeit öfter, eine sehr brauchbare Lösung.

Eigentlich will ich auch garnicht auf den bösen Menschen vom Fernsehen rumhacken. Im Multimedia-Sektor haben wir die gleichen Probleme: Was macht ein Reporter, der 15 gute Fotos zurückbringt, aber seine Audios in den Sand gesetzt hat? Was macht ein VJ, der später beim Schnitt merkt, wie endlangweilig der aufgenommene Sound ist? Ja, es gibt eine Reihe von Alternativen und Notlösungen - zum Beispiel keine Soundslides bauen, sondern eine normale Fotogalerie (das ist nicht verboten). Oder mit Musik arbeiten, mit Voice Over. Sehr grenzwertig wird es allerdings, wenn beim User der Eindruck entstehen soll, dass doch authentischer Sound verwendet wurde. Es gibt durch Websites wie Freesound Project ein großes Repertoire an Open Source Audio - die Verlockung wäre also gegeben, ein wenig zu tricksen.

Aber abgesehen davon, dass es nicht fair ist und journalistisch indiskutabel - es kommt auch mit großer Wahrscheinlichkeit ans Licht. Siehe BBC/Babys.

Soll man also Open Source Audio nicht verwenden? So kann man das natürlich nicht sagen. Für Bildung und Kunstprojekte ist es eine unschätzbar wichtige Quelle. Würde ich meine eigenen Hörspiele produzieren - ich wäre glücklich. In jeder Form von Reportage oder aktueller Berichterstattung haben solche Audio-Typicals aber nichts verloren.

Eine andere Frage, die ich mir selbst beim Videoschnitt gestellt habe: Wo liegen eigentlich hier die Grenzen?

Screenshot Video Sound Mix

Der Screenshot zeigt ein Beispiel aus einem Video, das ich gerade nochmal neu schneide. Man sieht, wie die Audiospur aus einem späteren Take in den davorliegenden hineingezogen wird. Der Effekt: Ein sanfter Übergang, der langsam einsetzende Sound der kommenden Szene bereitet den Zuseher auf einen Schnitt vor. Ist das schon grenzwertig? Ich würde sagen Nein. Aber streng genommen - well. Ich spiele mit dem Sound, koppele Sound und Bilder, die nicht zusammengehören - für einen winzigen dramaturgischen Effekt.

Ich bin offen gesagt noch etwas unschlüssig.

Lesenswert in diesem Zusammenhang: Die Ethical guidelines for editing audio des Canadian Journalism Project.

Kids + Money, Rwanda

Autor: Fabian Mohr | 21. Oktober 2007 | Kommentieren Sie diesen Artikel

Zwei Videos, die ich auf ihre Art herausragend finde: “Kids + Money” von Lauren Greenfield über Jugendliche in Los Angeles und ihr Verhältnis zu Geld und Konsum, eine Multimedia-Produktion der Fotoagentur VII für das New York Times Magazine. Und “Rwanda Revisited” von Victoria Holden, eine Reportage aus dem Jahr 2004, die damals in der BBC lief.

Beide Filme verzichten bewusst auf einen Journalisten als Erzähler aus dem Off und es mogelt sich auch kein staatstragender Reporter ins Bild. Kein Problem, wenn die Atmo und die O-Töne tragen, wenn die Protagonisten ihre Geschichte selber erzählen. Selber erzählen muss nun nicht heißen, dass sie es in Worten vortragen - auch Bilder, Gesten, Blicke sind eine Geschichte.

Victoria Holden hat “Rwanda Revisited” übrigens als Solo-VJ gefilmt. So packend, nahegehend und authentisch können also Reportagen sein, die eine einzelne Person gebaut hat - ganz ohne Entourage. Wenn ABC News weite Teile der Welt in Zukunft von VJs abdecken lässt, ist das kein Rückschritt. Im Gegenteil.

Ist Ihnen übrigens aufgefallen, wie lang die Stücke sind? “Rwanda Revisited” geht über 8 Minuten, “Kids + Money” dauert an die 14 Minuten.

Ich sag ja nur.

Uns wird immer wieder erzählt, es soll alles kurz sein. Nichts über drei Minuten. Ich halte das für Unsinn. Es kommt auf den Fall an. Man kann nette kleine Geschichten in einer Minute erzählen. Man muss das aber nicht immer machen. Wenn es trägt, wenn man andere Leute das Video ansehen lässt und sie am Ball bleiben - warum dann nicht länger. Wenn unser Bauch “Ja” sagt, ist es OK.