Thema: Denken

Dann mal los

Autor: Fabian Mohr | 12. April 2008 | Bisher 4 Kommentare

“You better start running” war ein Satz von George Riggs, an den ich mich heute noch gut erinnere. Riggs war damals - im Sommer 2005 während meiner IJP-Gaststation in San José - Herausgeber der Mercury News. Inzwischen ist er es nicht mehr, der “Merc” gehört jetzt MediaNews und hat mehrere schwere Entlassungswellen hinter sich. Hunderte Jobs sind verloren gegangen. Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Wer kann, flüchtet. Wie es im Newsroom einer der größeren Qualitätszeitungen der USA jetzt aussieht, dokumentiert eine Fotoserie bei Flickr, aufgenommen von Martin Gee (Grafiker bei den Mercury News). Ich kann das nicht unbefangen ansehen, es trifft mich wirklich. Rich Ramirez hat sich wie ein Bruder um mich gekümmert, mir Dutzende Kollegen vorgestellt, immer ein Ohr gehabt.

Was mich erstaunt - dass wir in Deutschland immer noch so tun, als sei das alles weit weg. Die Mercury News sind - neben dem San Francisco Chronicle - der “canary in the coalmine”. Silicon Valley und die übrige Bay Area haben einen Grad der Online-Durchdringung im täglichen Leben erreicht, der es Print, zumal bei Tageszeitungen, sehr schwer macht. Auch die weiteren Faktoren sind bekannt - Rendite-Druck, wegbrechende Classifieds. Vor wenigen Jahren konnte man die gedruckte Mercury News kaum heben. Zu viel Werbung.

Wie man vor diesem Hintergrund noch Zeit damit verschwendet, auf sentimentale und vor allem ja irrationale Online-Hasser zu hören, warum man überhaupt mit ihnen diskutiert, das ist mir rätselhaft. Diese Leute sind für Verlage und Sender problematischer Ballast in den kommenden Jahren.

Was bei den Mercury News passiert, ist näher, als wir gerne glauben würden. Die Transformation ist unausweichlich, längst im Gange und, keine Frage, oft frustrierend und schwer zu verstehen. Aber bis zum letzten Drücker zu warten und einer Welt nachzutrauern, die nie wiederkommen wird, ist keine Lösung.

Sicherungskopie

Autor: Fabian Mohr | 12. April 2008 | Bisher 1 Kommentar

zoe bar
N82-Foto in der Großformat-Version ansehen | © Fabian Mohr

meanwhile..
N82-Foto in der Großformat-Version ansehen | © Fabian Mohr

karin's treff
N82-Foto in der Großformat-Version ansehen | © Fabian Mohr

commuting
N82-Foto in der Großformat-Version ansehen | © Fabian Mohr

open westend, barbara giglberger-kral
N82-Foto in der Großformat-Version ansehen | © Fabian Mohr

cemetery
N82-Foto in der Großformat-Version ansehen | © Fabian Mohr

Mit dem kleinen mobilen Knipsding fällt mir jetzt mehrmals am Tag auf, wie viele Bilder früher nur in meinem Kopf gemacht wurden - weil die Kamera halt zu Hause lag. Jetzt fotografiere ich einfach.

Vielleicht sind diese Fotos (und Videos) für Dritte nicht immer so relevant. Für mich allerdings sind sie kleine Notizen - wie visuelles, etwas introvertiertes Twittern. Das fasziniert mich in den vergangenen Jahren eh am meisten: Wie neue Hardware und Webservices (z.B. del.icio.us, Flickr oder Gmail) mir helfen, Sicherungskopien von meinem Gedächtnis zu ziehen, mit Verschlagwortung und Volltextsuche.

Nebenbei: Was passiert, wenn wir 80 sind? Stehen wir dann ratlos vor unseren jahrzehntelang gewachsenen Tagclouds?

Nachtrag, 14.4.: “The palest ink is better than the strongest memory” - chinesisches Sprichwort, gefunden bei Caterina.net. Weiter schreibt Caterina Fake (über Bücher-Rezensionen, die sie in ihrem Blog notiert): “To be able recover that something years later is like sending gifts to your future self.”

Thou foolish insolent fellow!

Autor: Fabian Mohr | 25. Februar 2008 | Bisher 1 Kommentar

bbc, the insult generator

Wäre das nicht fein, wenn man - statt GEZ - seine Gebühren einem öffentlich-rechtlichen Sender seines Vertrauens überweisen dürfte?

Irgendwo in Europa?

BBC online: Shakespeare Insult-O-Matic
BBC mobile: Shakespeare Insult Generator

Riem

Autor: Fabian Mohr | 20. Februar 2007 | Bisher 2 Kommentare

St. Florian, Riem
© Fabian Mohr | Dieses Foto in der Großformat-Version ansehen

St. Florian, Riem
© Fabian Mohr | Dieses Foto in der Großformat-Version ansehen

Aussegnungshalle, Riem
© Fabian Mohr | Dieses Foto in der Großformat-Version ansehen

Ein seltsamer Stadtteil. Früher war hier ein Flughafen. Dann das ehemalige Terminal und Cobain. Dann lauter Neubau, eine banale Mall, eine banale Messe. Daneben immer wieder hochspannende, neue Architektur. Riem erinnert an Mon Oncle von Tati, an das Summen des elektrischen Türöffners, an klackernde Stöckelschuhe auf Stein.

World Press Photo of the Year

Autor: Fabian Mohr | 15. Februar 2007 | Bisher 11 Kommentare

Als ich mit etwas Verspätung die - wie jedes Jahr herausragenden - Siegerfotos des World Press Photo Awards durchsah, musste ich an die durch und durch bigotte Diskussion über das Hinrichtungsvideo von Saddam Hussein denken. Auf diese Tendenz, die Welt bis zur Unkenntlichkeit weichfiltern zu wollen, reagiert World Press Photo sehr angemessen - nämlich garnicht.

Unter den von der Jury ausgezeichneten Fotos sind Bilder, die Mord, Tod und schwerste Verletzungen dokumentieren. Sie entkräften ein immer wieder vorgebrachtes Argument - dass es für die Berichterstattung unerheblich sei, ob Gewalt gezeigt wird. Das Gegenteil ist der Fall.

In der jüngeren Zeitgeschichte haben eine Handvoll Fotos das öffentliche Bewusstsein mehr als alles andere - vor allem mehr als jeder geschriebene Text - erschüttert. Zwei Beispiele aus dem Vietnam-Krieg: Die Erschießung von Nguyen Van Lam und die bei einem Napalm-Angriff schwer verletzte Kim Phuc.

Ich sage nicht, dass man alles zeigen muss. Ich sage auch nicht, dass ich eine klare Definition geben kann, wo die Grenze liegt. Ich habe nur das Gefühl, dass in den meisten Medien inzwischen viel zu wenig gezeigt wird und die Berichterstattung aus Krisen- und Kriegsgebieten deswegen kein auch nur annähernd angemessenes Bild der Realität liefert.

Damit sollten wir uns nicht zufrieden geben.

Seite: 1 2 Weiter