Thema: Flip

Drei kleine Wünsche an die Flip HD der Zukunft

Autor: Fabian Mohr | 20. Mai 2009 | Bisher 9 Kommentare

Nach einigen Monaten mit der Flip HD hat meine anfängliche Zuneigung nicht nachgelassen - ich möchte diese Kamera nicht mehr missen. Das Konzept, eine maximal einfach zu bedienende HD-Videokamera zu einem attraktiven Preis zu produzieren, geht m.E. auf. Für kommende Versionen wäre dennoch die eine oder andere Verbesserung hochwillkommen.

1) Besserer Windschutz. Das Mikrofon der Flip HD ist eigentlich ziemlich gut, wenn man keine überzogenen Erwartungen hat. Mit einer Einschränkung - es darf kein Wind wehen. Steht man am Strand oder in den Bergen, genügt schon eine mittelleichte Brise, um sehr unschöne Windgeräusche in die Aufnahme zu bringen. Damit ist die Flip HD für den Outdoor-Einsatz nur bedingt geeignet. Eigentlich schade, da sie ansonsten ja prädestiniert dafür wäre - kaum Gewicht, kein Rumgefummel mit tausend Knöpfen. Ein externer Mikrofonanschluss könnte das Problem lösen, würde allerdings das Konzept ad absurdum führen. Ich will ja eben keine Zubehörtasche mit mir rumschleppen, sondern nur die kleine Flip. Also - bitte eine windunempfindlichere Einbindung der Mikrofone oder einen passenden, bezahlbaren Windschutz, den man direkt anbringen kann.

2) Speicherkarten. Meine Flip HD nimmt bis zu eine Stunde im internen Speicher auf, aktuellere Modelle zwei Stunden. Das ist völlig ok, wenn man einen Tag unterwegs ist. Im Urlaub oder auf längeren Reportagereisen kommt man fast nicht umhin, ein Laptop mitzunehmen, um Material abzuspeichern und die Flip für neue Aufnahmen freizuräumen. Wie praktisch wäre es, hätte die Flip einen Slot, in den ich z.B. Compact-Flash-Karten stecken könnte.

3) Akku aufladen ohne USB. Ähnliches Problem wie bei den Speicherkarten - früher oder später muss man mit der Flip HD an einen Rechner, um sie via USB-Anschluss aufzuladen. Auch wenn der Akku viel länger halt als die eine Stunde, die man speicherbedingt ohnehin nur aufnehmen kann, wäre ein normales Ladekabel, das in die Steckdose passt, nützlich. Wer improvisieren mag: Es gibt einen “Power Adapter” unter Zubehör, der allerdings für amerikanische Steckdosen ausgelegt ist; um ihn zu verwenden, bräuchte man dann - well - noch einen weiteren Adapter.

Nachtrag: Punkt 3 ist, wie ich jetzt weiß, irgendwie unsinnig, da es sehr günstige USB-Stromadapter überall zu kaufen gibt. Mehr in den Kommentaren.

Flip HD

Autor: Fabian Mohr | 11. Januar 2009 | Bisher 5 Kommentare

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Nach einigen Tagen Kurzurlaub beim deutschen Zoll ist die Flip HD, ein Geschenk von Tante Ruth aus Boston (ganz lieben Dank!), inzwischen bei uns angekommen. Der erste Eindruck - tres chic. Die Flip ist einen Hauch kleiner als das Nokia N82, wiegt gefühlt auch ein gutes Stück weniger. Das Interface ist sehr simpel gehalten, man kann eigentlich nichts falsch machen. Ein roter Knopf für Aufnahme starten, dazu eine Handvoll Buttons, um fertige Videos anzusehen oder zu löschen.

Mit einem Klick springt wie bei einem Schweizer Taschenmesser der USB-Anschluss aus dem Gehäuse - steckt man das an seinen Rechner, meldet sich sofort die mitgelieferte Software (FlipShare), mit der man seine Videos verwalten und bspw. direkt an YouTube weiterreichen kann. Der eingebaute Speicher von 4 GB erlaub 60 Minuten Aufnahmezeit, es gibt darüberhinaus keine Slots für Speicherkarten.

Die Videoqualität (1280×720, 16:9) ist für so ein kleines Stück Hardware erstaunlich gut. Hier ein paar Sekunden Testvideo: YouTube, hohe Qualität | Vimeo | Original-MP4 aus der Kamera (34 MB)

Tagsüber, bei ausreichend Licht, liefert die Flip HD schöne Bilder, ohne dass man ein Handbuch lesen muss oder irgend etwas bei den Einstellungen an der Kamera falsch machen könnte. Es gibt einfach keine Einstellungen - die Flip HD arbeitet vollautomatisch bei Belichtung, Weißabgleich und Schärfe.

Wo liegen ihre Schwächen? Ganz klar nachts und bei schummrigen Lichtverhältnissen in geschlossenen Räumen. Auch lange Schwenks wird man nie ganz perfekt hinbekommen. Theoretisch könnte man die Flip auch auf ein Stativ schrauben, doch dann würde wohl ihr Charme verloren gehen - nämlich losfilmen zu können, ohne große Ausrüstung mitschleppen zu müssen.

Wie schon ihre Vorgängermodelle ist die Flip HD ideal, um sie Reportern in die Hand zu geben. Besonders den Reportern, die sich nicht oder nur am Rande mit Bewegtbild beschäftigen. Es ist kinderleicht, beim Gespräch mit einem Interviewpartner die Kamera mitlaufen zu lassen oder einen Rundgang mit seinen eigenen Worten zu kommentieren (die Mikrofone sind praktischerweise so ausgerichtet, dass die eigene Stimme noch gut eingefangen wird, wenn man die Flip beim Filmen am halb ausgestreckten Arm vor sich her hält).

Wenn nun Videoprofis einwerfen, dass die Bildqualität und andere Faktoren nicht an die Perfektion ihrer Arbeit und an ihre speziellen Anforderungen heranreichen - ja, das mag sein. Nur wird die Flip HD durch ihre konsequent simpel gehaltene Bedienung bei doch erstaunlich detailreichen Bildern viel eher dazu beitragen, dass Video im journalistischen Kontext noch selbstverständlicher wird.

Im Moment leben Onlineangebote im wesentlichen immer noch von zwei Quellen für Bewegtbilder: externe Zulieferungen wie Reuters und der überschaubare Output der eigenen, oft noch kleinen, Videoredaktion. Viele, viele Termine, die von eigenen Journalisten vor Ort besetzt werden, generieren überhaupt kein Video; noch nicht einmal illustrative, ungeschnitte Kurzsequenzen. Kameras wie die Flip HD könnten das allmählich ändern. Die Anschaffungskosten sind mit ca. 200 USD pro Kamera sehr moderat.

Was man nicht unterschätzen sollte - die Flip HD macht Spaß. Nach ein paar Minuten vergisst man völlig, wie kompliziert Video früher war.

Etwas ausführlichere Reviews bei Cnet und in der New York Times.