Thema: Foto
Gutes tun, Geld verdienen - als Multimediajournalist?
Autor: Fabian Mohr | 3. Juli 2010 | Bisher 1 KommentarIm lab-Blog der Deutschen Welle hat Steffen Leidel einen sehr lesenswerten Artikel über Multimedia-Kreative geschrieben, die sich im Dienste der guten Sache sehen. Eng verbunden damit die Frage, wie von NGOs (mit)finanzierte Produktionen zu sehen sind. Ich möchte das Thema hier nicht in voller Breite aufrollen und empfehle deswegen zunächst, “Multimedia mit Misson” zu lesen. Von mir hier nur ein paar ergänzende Anmerkungen.
Die Motivation von Hilfsorganisationen und Verbänden kann eine sehr andere sein als die der Fotografen und Videoreporter, die in ihrem Auftrag tätig werden. Es geht darum, Spenden einzusammeln und Stimmungen zu erzeugen oder zu verstärken. Multimediaproduktionen passen da gut ins Konzept. Sie emotionalisieren weit stärker als reiner Text, wirken dabei journalistisch und riechen nicht sofort wie PR von der Stange.
Was macht NGOs als Auftraggeber für Multimediaschaffende interessant? Einfacher Zugang zu bildstarken, anrührenden Themen. Bessere Honorare, als die meisten Medien zahlen würden. Flugtickets.
Böse? Nein. Jeder entscheidet für sich, wie die Miete gezahlt wird. Abgesicherte, festangestellte Journalisten (ich bspw.) sollten den Ball bei dieser Frage auch eher flach halten.
In einem Punkt wird es allerdings problematisch: Wenn von NGOs finanzierte Projekte in journalistischen Medien zweitverwertet werden sollen. So sympathisch einem die Geschichte im Einzelfall sein mag - sie ist immer noch PR und mit einiger Sicherheit nicht so abgehandelt worden, wie es ein ungebundener Reporter getan hätte. Genauso wenig, wie ich Printartikel lesen will, in denen die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ihre Finger im Spiel hat, will ich Multimediaproduktionen sehen, die ohne das Geld einer Hilfsorganisation oder eines Sportverbandes garnicht erst entstanden wären.
Bevor jetzt meine Freunde aus der PR die Wände hochgehen: Ich sage nicht, dass PR “böse” ist und Journalismus “gut”. Ich bin aber Journalist und denke, dass es gute Gründe gibt, Kirche und Staat sauber zu trennen. Wir sind keine “Medienpartner”.
Ein zweiter Punkt stört mich an den von NGOs finanzierten Produktionen - der Trend zum Rührstück. Ich kann keine Schicksalsorgien mehr sehen - jedenfalls nicht, wenn ihre Instrumentalisierung so offensichtlich ist. Dass “Fifteen” beim Lumix Multimedia Award gewonnen hat, freut mich auch deshalb so sehr, weil Ilana Panich-Linsman ein Thema sehr hartnäckig wie eine Chirurgin seziert hat, das nicht auf die Tränendrüse drückt. Für ihre Story hat sie sich einen der schwersten Stoffe überhaupt ausgesucht: Alltag.
Noch kurz zum letzten Absatz des Artikels von Steffen Leidel:
“Was mich aber empört, ist, dass klassische Medien NGOs das Feld für talentierte Storyteller überlassen. Es ist zum Teil wirklich lächerlich, welche Honorare so genannte Qualitätsmedien für Audioslideshows oder Fotoreportagen zahlen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass immer mehr Fotografen und Multimedia-Journalisten Medien lediglich als Zweitverwerter für ihr im Auftrag von NGOs produziertes Material nutzen.”
Ich sehe hier nicht ganz, wo die Verpflichtung “klassischer Medien” liegen soll. Vorweg: Was ist mit klassischen Medien gemeint? Gebühren- bzw. steuerfinanzierte Medien (ARD, ZDF, DW, ORF etc.) oder solche, die sich in vollem Umfang selbst refinanzieren müssen? Das, würde ich sagen, macht einen großen Unterschied.
Man muss sich auch damit auseinandersetzen, dass es schlicht keinen nennenswerten Markt für journalistische Multimediaproduktionen gibt. Jedenfalls nicht zur Zeit und auch nicht in absehbarer Zukunft, dazu im überschaubaren deutschsprachigen Raum. Jungen Multimediajournalisten etwas anderes zu suggerieren, wäre m. E. nicht in Ordnung.
Nun heißt das nicht, dass Multimedia nicht stattfindet in Onlinemedien. Es ist aber, ähnlich wie Infografiken oder interaktive Elemente, selten etwas, das als Auftrag an externe Freie geht. Natürlich spielt auch Geld dabei eine Rolle. Man kann von Medien, die jeden Euro selber verdienen müssen, nicht erwarten, dass sie wie Stiftungen agieren.
Im Moment sehe ich zwei Wege, Multimediajournalismus zu betreiben: Man geht in die Medien hinein und versucht, soweit wie möglich, aus dieser Position heraus multimediale Inhalte zu erstellen und zu fördern. Das hat Vorteile (Miete), bringt aber auch einiges an Limitierungen und Frustrationen mit sich. Oder man löst sich von der Vorstellung, mit Multimedia seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, finanziert sich mit anderen Jobs - und macht Storytelling aus reiner Lust, ohne Rücksichten nehmen zu müssen. Vimeo ist voll von solchen (teils grandiosen) Projekten.











