Kids + Money, Rwanda
Autor: Fabian Mohr | 21. Oktober 2007 | Kommentieren Sie diesen ArtikelZwei Videos, die ich auf ihre Art herausragend finde: “Kids + Money” von Lauren Greenfield über Jugendliche in Los Angeles und ihr Verhältnis zu Geld und Konsum, eine Multimedia-Produktion der Fotoagentur VII für das New York Times Magazine. Und “Rwanda Revisited” von Victoria Holden, eine Reportage aus dem Jahr 2004, die damals in der BBC lief.
Beide Filme verzichten bewusst auf einen Journalisten als Erzähler aus dem Off und es mogelt sich auch kein staatstragender Reporter ins Bild. Kein Problem, wenn die Atmo und die O-Töne tragen, wenn die Protagonisten ihre Geschichte selber erzählen. Selber erzählen muss nun nicht heißen, dass sie es in Worten vortragen - auch Bilder, Gesten, Blicke sind eine Geschichte.
Victoria Holden hat “Rwanda Revisited” übrigens als Solo-VJ gefilmt. So packend, nahegehend und authentisch können also Reportagen sein, die eine einzelne Person gebaut hat - ganz ohne Entourage. Wenn ABC News weite Teile der Welt in Zukunft von VJs abdecken lässt, ist das kein Rückschritt. Im Gegenteil.
Ist Ihnen übrigens aufgefallen, wie lang die Stücke sind? “Rwanda Revisited” geht über 8 Minuten, “Kids + Money” dauert an die 14 Minuten.
Ich sag ja nur.
Uns wird immer wieder erzählt, es soll alles kurz sein. Nichts über drei Minuten. Ich halte das für Unsinn. Es kommt auf den Fall an. Man kann nette kleine Geschichten in einer Minute erzählen. Man muss das aber nicht immer machen. Wenn es trägt, wenn man andere Leute das Video ansehen lässt und sie am Ball bleiben - warum dann nicht länger. Wenn unser Bauch “Ja” sagt, ist es OK.